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dpa-Faktencheck

Exzess-Schätzung zur Grippe nicht mit Corona-Zahlen vergleichbar

Berlin (ots)

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie einzuschätzen, wird diese häufig mit der besonders schweren Influenza-Saison 2017/18 verglichen. In einem Facebook-Post etwa sind Zahlen gegenübergestellt, darunter "Tote innerhalb von 3 Monaten": Während der "Grippewelle 2017/18" seien dies 25 100 gewesen, während der "Coronawelle" 3000 (http://dpaq.de/NbTDP).

BEWERTUNG: Die 25 100 Todesfälle sind eine Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) für die Grippewelle 2017/18. Die laborbestätigten Todesfälle lagen mit 1674 deutlich darunter. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus zählte das RKI bereits Mitte April 2020 mehr als 3000 laborbestätigte Todesfälle.

FAKTEN: Das RKI veröffentlicht jährlich den "Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland". Darin sind sowohl erfasste als auch geschätzte Zahlen von Todesfällen aufgelistet. Im Saison-Bericht 2018/19 werden daher pro Jahr zwei unterschiedliche Werte tabellarisch aufgeführt (http://dpaq.de/rfqXi).

Für die "Exzess-Schätzung" wird zuerst eine Hintergrundmortalität, also die erwartete Todesrate ohne Einfluss von Influenza, errechnet. "Die mittels statistischer Verfahren geschätzte Anzahl zusätzlicher Todesfälle wird als Exzess-Mortalität bezeichnet", schreibt das RKI.

Demgegenüber stehen "laborbestätigte Todesfälle". Dabei handelt es sich um Meldedaten der an das RKI übermittelten "Todesfälle mit laborbestätigter Influenzainfektion gemäß Infektionsschutzgesetz". Diese Zahl spielt für die "Exzess-Schätzung" keine Rolle.

In der Saison 2017/18 war Deutschland einer ungewöhnlich starken Grippewelle ausgesetzt (http://dpaq.de/pG2uu). Sie begann in der 52. Kalenderwoche 2017 und dauerte bis zur 14. Kalenderwoche 2018 - also rund dreieinhalb Monate (http://dpaq.de/MWe3P). Im RKI-Bericht werden 25 100 Todesfälle durch die Exzess-Schätzung aufgelistet, daneben stehen 1674 laborbestätigte Todesfälle.

Bei der Behauptung im Facebook-Post, innerhalb von drei Monaten "Coronawelle" seien 3000 Menschen gestorben, ist unklar, auf welchen Zeitraum sich dies bezieht. Am 27. Januar 2020 wurde die erste bestätigte Infektion in Deutschland gemeldet (http://dpaq.de/8aAn1). In den folgenden drei Monaten bis zum 27. April wurden dem RKI nach eigenen Angaben 5750 laborbestätigte Todesfälle in Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen übermittelt. Eine "Exzess-Schätzung" lag nicht vor (http://dpaq.de/MIo86). Die Marke von 3000 Todesfällen wurde nach RKI-Angaben am 15. April erreicht (http://dpaq.de/MXZZU).

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Links:

Beitrag auf Facebook: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2965957240149127&set=a.1113844758693727&type=3 (archiviert: http://archive.vn/9XfXJ)

Zahlen des RKI am 15. April: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-15-de.pdf?__blob=publicationFile (archiviert: https://archive.vn/G4V1P/image)

Zahlen des RKI am 27. April: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-27-de.pdf?__blob=publicationFile (archiviert: https://archive.vn/ZBQ2C/image)

Zahlen des Robert Koch-Instituts zur Grippe (siehe Tabelle 3): https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2018.pdf (archiviert: https://perma.cc/WAT6-E3KJ)

Bericht über erste Corona-Infektion in Deutschland: https://www.frankenpost.de/region/bayern/Coronavirus-in-Deutschland-33-Jaehriger-in-Bayern-infiziert;art2832,7107835 (archiviert: https://archive.vn/vfG3A)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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