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Prestigebau, zweite Auflage
Kommentar von Isabell Jürgens zur Zentralbibliothek

Berlin (ots)

Kurzform: Seit Freitag ist klar, dass die vermeintliche "Prestige-Bibliothek" von Klaus Wowereit aus dem Jahr 2014 in Wahrheit offenbar ein Schnäppchen war. So jedenfalls muss man wohl die Aussage von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) verstehen, auch eine halbe Milliarde Euro für die Bibliothek wäre kein verschwendetes Geld. Eine Summe, die weit über dem liegt, was für den Wowereit-Bau veranschlagt war. Noch wird Lederer regelmäßig in Umfragen zum beliebtesten Politiker Berlins gewählt. Das kann sich ändern.

Der vollständige Kommentar: Als Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 2014 so beharrlich wie unbelehrbar an einem Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld festhielt, hatte das weitreichende Folgen. Für die Stadt, die Bibliothek und seine Person. Das aufgrund der hohen Baukosten von damals 270 Millionen Euro als teure "Wowi-Gedächtnisbibliothek" von vielen Bürgern abgelehnte Vorhaben sorgte nicht nur für ein Scheitern des dringend notwendigen Neubaus, sondern auch dafür, dass der Volksentscheid, der eine Bebauung des Tempelhofer Feldes verbietet, so erfolgreich war. Auch für den SPD-Regierungschef persönlich hatte es Konsequenzen: Neben dem Desaster um den Bau des Großflughafens BER hatte auch sein trotziges Festhalten an der ZLB seinem Ansehen geschadet. Im selben Jahr trat Wowereit als Regierender Bürgermeister "freiwillig" zurück - allerdings mit mehr oder minder sanftem Nachdruck seiner Parteifreunde. Es gehört nun zur Ironie der Geschichte, dass viele Berliner - darunter vermutlich zahlreiche Sozialdemokraten - diese Entscheidung liebend gern rückgängig machen würden. Nicht nur, weil sie sich statt des blassen Senatschefs und SPD-Landesvorsitzenden Michael Müller wieder eine charismatische Leitfigur herbeiwünschen. Und auch nicht nur, weil sie angesichts der Wohnungsnot am Rande des Feldes sehr gern bauen würden. Sondern auch, weil seit Freitag klar ist, dass die vermeintliche "Prestige-Bibliothek" in Wahrheit offenbar ein Schnäppchen war. So jedenfalls muss man wohl die Aussage von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) verstehen, auch eine halbe Milliarde Euro für die Bibliothek wäre kein verschwendetes Geld. Eine Summe, die weit über dem liegt, was für den Wowereit-Bau veranschlagt war. Noch wird Lederer regelmäßig in Umfragen zum beliebtesten Politiker Berlins gewählt. Das kann sich ändern.

Pressekontakt:

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Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de

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