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Saarbrücker Zeitung: Mitunterzeichner des Atomausstiegs relativiert Bedeutung seiner Unterschrift - Ex-EnBW-Chef Gerhard Goll: "Es galt, endlich einmal eine Phase der Ruhe in dieses Thema zu bringen."

Berlin / Saarbrücken (ots)

Einer der vier Konzernschefs, die am
11.6. 2001 im Kanzleramt zusammen mit Kanzler Gerhard Schröder den 
Atomkonsens unterzeichneten, Ex-EnBW-Chef Gerhard Goll, hat die 
Bedeutung seiner Unterschrift relativiert. Schon damals sei "allen 
Beteiligten" klar gewesen, "dass noch in diesem Jahrzehnt eine 
Situation wie die jetzige eintreten und eine Revision notwendig 
werden würde", sagte Goll der "Saarbrücker Zeitung" 
(Donnerstagausgabe). Er glaube auch nicht, "dass diejenigen, die mit 
uns verhandelt haben", den Vertrag als endgültigen Ausstieg 
verstanden hätten. "Uns war klar, dass dies keine 
Ewigkeitsvereinbarung sein kann." Die Umsetzung der Vereinbarung zwei
Jahre später durch die rotgrüne Koalition im Atomgesetz sei eine 
"politische Dummheit" gewesen. "Man sollte mit Gesetzen vorsichtiger 
sein und nicht Gesetze machen, die eine relativ kurze Verfallszeit 
haben." Zum Motiv für seine Unterschrift sagte Goll, es sei damals 
darum gegangen, "endlich mal eine Phase der Ruhe in dieses Thema zu 
bringen". Goll, der heute an einer Karlsruher Hochschule lehrt, wies 
auf die Auseinandersetzungen um die Castortransporte hin, die "jedes 
Mal die ganze Gesellschaft aufgewühlt" hätten. Auch habe sich die 
Energiebranche "in einer Notsituation" befunden, weil Umweltminister 
Trittin mit dem Verbot der Transporte nach Frankreich gedroht habe 
und es keine standortnahen Zwischenlager gab. Goll räumte ein, dass 
die Energiewirtschaft als Gegenleistung für den Atomausstieg die 
Genehmigung für Zwischenlager und die Zusage für einen gesicherten 
Betrieb bekommen habe. Jedoch könne keine andere Art der 
Energieerzeugung auf absehbare Zeit die notwendige Grundlast liefern.
Daher müsse man als ersten Schritt über längere Laufzeiten reden "und
dann über weitere Schritte nachdenken", sagte Goll auf die Frage nach
dem Neubau von Kernkraftwerken. Er stehe zu seiner damaligen 
Unterschrift, "auch deshalb, weil ich glaube, dass aufgrund der Ruhe,
die wir dadurch erzielt haben, heute emotionsloser mit diesem Thema 
umgegangen werden kann".

Pressekontakt:

Saarbrücker Zeitung
Büro Berlin

Telefon: 030/226 20 230

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