POL-DA: Südhessen/Darmstadt: Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 des Polizeipräsidiums Südhessen - Südhessen gehört zu den sichersten Regionen, nicht nur in Hessen, sondern auch bundesweit.
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Südhessen/Darmstadt (ots)
Polizeipräsident Björn Gutzeit und der Leiter der Abteilung Einsatz des Polizeipräsidiums Südhessen, Abteilungsdirektor Manfred Burkart, haben heute gemeinsam die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 (PKS) für Südhessen vorgestellt.
"Südhessen ist bereits das siebte Mal in Folge die sicherste Region in Hessen. Dieses Ergebnis zeigt, dass es sich in Südhessen besonders sicher leben lässt. Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat zu werden, ist geringer, als anderswo", so Polizeipräsident Björn Gutzeit zur Eröffnung der Pressekonferenz.
2024 hat die südhessische Polizei 46.519 Straftaten registriert. Das sind 888 Taten weniger als im Vorjahr (- 1,9 %). Die Straftaten sind somit auf einem relativ konstanten Niveau und haben nach zwei Jahren des deutlichen Fallanstiegs 2024 erstmals wieder abgenommen. Im 20-Jahresvergleich haben die Straftaten sogar fast 20 % abgenommen und gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote verbessert werden. Zudem steht seit nunmehr 15 Jahren eine konstante Aufklärungsquote von um die 60 % für eine gute und beständige Ermittlungsarbeit in Südhessen.
Bei der Straßenkriminalität und den Diebstahlsdelikten, die insbesondere nach der Corona-Pandemie einen deutlichen Anstieg von Straftaten verzeichneten, konnte ein erneuter Anstieg der Straftaten gestoppt werden. Die Fallzahlen sind 2024 erstmals wieder zurückgegangen. Hingegen sind Delikte, die im gesellschaftlichen Miteinander stattfinden, erneut gestiegen. Körperverletzungsdelikte und Bedrohungen befinden sich auf dem höchsten Stand in der Langzeitbetrachtung, auch Straftaten in Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen sind erneut gestiegen.
Grafik: Langzeitvergleich 20 Jahre
Südhessen gehört zu den sichersten Gebieten, nicht nur in Hessen, sondern auch bundesweit. Die Häufigkeitszahl (HZ) macht den direkten Vergleich möglich. Sie zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, Opfer einer Straftat zu werden und drückt damit die Kriminalitätsbelastung aus. Seit 2012 liegt die Kriminalitätsbelastung in Südhessen unter dem 20-jährigen Durchschnitt. Mit einer aktuellen Häufigkeitszahl von 4.147 ist Südhessen zudem weit unter dem hessischen Landesdurchschnitt von 6.046. Diese deutliche Differenz zeigt noch einmal, wie gering die Kriminalitätsbelastung in Südhessen ist.
Im Vergleich der 21 hessischen Landkreise belegt Südhessen erneut, wie im Vorjahr, gleich drei vordere Plätze. Der Odenwaldkreis ist mit einer Häufigkeitszahl von 2.470 sicherster Landkreis in Hessen, gefolgt von dem Kreis Bergstraße (HZ 3.104) auf dem dritten und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg (HZ 3.133) auf dem vierten Platz. Der Landkreis Groß-Gerau belegt den vorletzten Platz (HZ 4.582). Darmstadt (HZ 7.996) ist im Ranking der sechs kreisfreien Städte erneut auf dem dritten Platz.
Während in den letzten Jahren eine weitestgehend homogene Entwicklung in Bezug auf den Fallzahlanstieg oder die -abnahme in den Landkreisen und der Stadt Darmstadt zu verzeichnen war, bot sich 2024 ein heterogenes Bild. Im Bereich der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg war die Anzahl der Straftaten relativ konstant mit nur kleinen Abweichungen im Vergleich zum Vorjahr. In Darmstadt gab es einen geringen Fallzahlenrückgang von 0,7 %, im Landkreis Darmstadt-Dieburg stiegen die Straftaten dagegen um 0,4 % leicht an. Im Landkreis Groß-Gerau waren 6,2 % mehr Straftaten zu verzeichnen. Besonders erfreulich war die Entwicklung im Odenwald und an der Bergstraße. Im Odenwald gab es fast ein Viertel weniger Straftaten (- 23,9 %) als noch 2023. Mit 2.400 Fällen verzeichnet der Odenwaldkreis die wenigsten Straftaten innerhalb der letzten 20 Jahre. Auch an der Bergstraße wurden 8,8 % weniger Straftaten registriert.
Gewalt gegen Einsatzkräfte
Grafik: Gewalt gegen Einsatzkräfte
2024 wurden in Südhessen insgesamt 361 Polizeibeamtinnen oder -beamte Opfer einer Straftat und damit 152 weniger als in den beiden Vorjahren. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, könnte der Rückgang der Opferzahlen im Polizeibereich möglicherweise für eine Trendwende sprechen, dennoch sind die Zahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Dementgegen haben sich die Opferzahlen von Rettungskräften und Feuerwehr mehr als verdoppelt und sind mit 32 Opfern auf dem höchsten Stand im Langzeitvergleich.
Einhergehend mit den Opferzahlen sind auch die Fallzahlen von Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte rückläufig. Mit 99 Fällen haben die tätlichen Angriffe erstmals seit Einführung des Schutzparagrafen im Jahr 2017 und einem Höchststand im Vorjahr abgenommen. Insgesamt kam es zu 217 Widerstandshandlungen bei polizeilichen Maßnahmen und damit zu 44 Taten weniger als im Vorjahr.
Grafik: Einsatz verdient Respekt
"Die Blaulichtfamilie ist von unschätzbarem Wert für unsere Gesellschaft. Unabhängig von den Zahlen sind Widerstände oder tätliche Angriffe auf Menschen, die sich für unsere Demokratie einsetzen oder anderen zur Hilfe eilen und dabei möglicherweise ihr eigenes Leben gefährden, in keiner Weise zu rechtfertigen, zu akzeptieren oder zu tolerieren. Unsere Polizei ist, wie auch Rettungsdienste und Feuerwehren, rund um die Uhr für alle Bürgerinnen und Bürger in Südhessen im Einsatz und dabei verschiedensten Belastungen sowie Gefahren ausgesetzt. Dieses Engagement muss Wertschätzung, Anerkennung und Respekt erfahren. Angriffe auf Einsatzkräfte aber auch ein respektloser Umgang sind absolut inakzeptabel. Gemeinsam gilt es, dass wir uns alle für diejenigen einsetzen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, uns zu schützen und uns zu helfen. Nach erfolgreichen Veranstaltungen und Aktionen im letzten Jahr, werden wir auch in diesem Jahr weiter daran festhalten, für den gesellschaftlichen Rückhalt zur Blaulichtfamilie zu werben sowie ihre Arbeit mehr zu honorieren", so der Polizeipräsident.
Die Delikte im Überblick
Delikte mit Bereicherungsabsicht, zu denen Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie Diebstahlsdelikte zählen, machen mit über 54 % mehr als die Hälfte aller Straften aus. Diebstahlsdelikte bilden mit rund 36 % den Schwerpunkt aller Straftaten. Ihr Anteil ist in den letzten Jahren zurückgegangen, während der Anteil der Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Bedrohungen und Körperverletzungen gehören, in den letzten Jahren konstant gestiegen ist. Mittlerweile beträgt der Anteil der Rohheitsdelikte am gesamten Straftatenaufkommen über 18 %, 2018 waren es nur 13,3 %.
Wohnungseinbruchdiebstahl
Grafik: Wohnungseinbruchdiebstahl
Die Einbruchszahlen sind mit 793 Taten, wovon 338 im Versuchsstadium endeten, weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Innerhalb von 10 Jahren konnten die Wohnungseinbrüche halbiert werden und auch im direkten Vergleich zu 2019, dem Jahr vor der Pandemie, ist ein deutlicher Rückgang von 13 % beziehungsweise 122 Taten zu verzeichnen. Die hohe Versuchsquote von 42,6 % zeigt, dass Sicherungs- und Präventionsmaßnahmen erfolgreich greifen.
"Wohnungseinbrüche gehören zu den Delikten, die die Bürgerinnen und Bürger besonders belasten. Die südhessische Polizei wird daher auch 2025 weiterhin mit einer Vielzahl von repressiven und präventiven Maßnahmen Einbrüche intensiv bekämpfen. Hierzu zählen unter anderem verschiedene saisonale und regionale Konzepte, insbesondere zur Urlaubszeit und während der dunklen Jahreszeit, aber auch auf den südhessischen Autobahnen sowie länderübergreifende Sicherheitstage zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchs. Das alles mit dem Ziel, potenzielle Täter abzuschrecken oder festzunehmen. Gleichzeitig appelliere ich aber auch an Hausbesitzer und Bewohner entsprechende Sicherungsmaßnahmen zu installieren, um potenziellen Tätern die Möglichkeit, in eine Wohnung zu gelangen, deutlich zu erschweren", so Abteilungsdirektor Manfred Burkart.
Straßenkriminalität
Grafik: Straßenkriminalität
Die Langzeitbetrachtung der Straßenkriminalität zeigt, dass der öffentliche Raum deutlich sicherer geworden ist und das bei stets steigenden Bevölkerungszahlen.
Waren es vor 20 Jahren noch fast 15.000 Straftaten im Bereich der Straßenkriminalität, sind es jetzt mit 9.295 Fällen beachtliche 37,3 % weniger, hinzu kommt eine verbesserte Aufklärungsquote um 6,1 Prozentpunkte.
2024 gab es 228 Fälle weniger als 2023, was einem Fallrückgang von 2,4 % entspricht. Fast ein Viertel der Fälle konnte geklärt werden.
Mit 5.825 Fällen dominiert der Straßendiebstahl die Straßenkriminalität und macht 62,7 % des gesamten Deliktsbereichs aus. Der Fahrraddiebstahl belastet mit 2.868 Taten ebenfalls die Fallzahlen der Straßenkriminalität, da eine Vielzahl von Fahrrädern im öffentlichen Raum entwendet wird. Gefährliche Körperverletzungen im öffentlichen Raum haben in den letzten beiden Jahren um fast 23 % auf 604 Fälle zugenommen. Der schwere Diebstahl aus Fahrzeugen hat hingegen um 23,8 % auf 556 Taten im Vergleich zum Vorjahr abgenommen.
"Aufgrund des deutlichen Anstiegs der Straßenkriminalität in den letzten Jahren und dem Rückgang des Sicherheitsgefühls, insbesondere in den Innenstädten, hat die südhessische Polizei 2024 eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Sicherheit zu steigern. Es galt den Kontrolldruck an stark frequentierten Orten und Plätzen konsequent hoch zu halten, Prävention, auch in Zusammenhang mit KOMPASS, weiter auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Städten hierbei noch zu intensivieren. Der Rückgang der Fallzahlen der Straßenkriminalität macht deutlich, dass unsere Maßnahmen Wirkung zeigen. Daher werden wir auch in diesem Jahr nicht nachlassen und hier weiter investieren. Nur so können wir eine steigende Kriminalität verhindern und das subjektive Sicherheitsgefühl stärken. Dies alles mit dem Ziel, dass sich die Menschen in den Innenstädten wieder sicherer fühlen, denn es sind wichtige Orte für das Zusammenleben und gleichzeitig Aushängeschilder der Städte", so Björn Gutzeit.
Die genannten Maßnahmen sind Teil der vom hessischen Innenminister Roman Poseck ins Leben gerufenen Innenstadtoffensive, die im Februar 2024 begann. Die beiden größten südhessischen Städte, Darmstadt und Rüsselsheim, sind Teil dieser Offensive und standen daher in besonderem Fokus von Kontroll- und Präventionsmaßnahmen. So hat die südhessische Polizei seit Beginn der Innenstadtoffensive 142 Kontrollen durchgeführt. Hierbei wurden 3.241 Personen kontrolliert und 50 Personen festgenommen. Weiterhin konnten im Rahmen der Innenstadtoffensive 15 Haftbefehle vollstreckt und 239 Straftaten aufgedeckt werden.
Zur Sicherheit im öffentlichen Raum führt Polizeipräsident Björn Gutzeit aus: "Mit den Oberbürgermeistern von Darmstadt und Rüsselsheim habe ich Anfang September 2024 im Rahmen der Innenstadtoffensive jeweils einen Aktionsplan zur Intensivierung der Zusammenarbeit unterschrieben. Denn eines ist klar: Die Polizei kann die Probleme nicht allein lösen. Wir müssen gemeinsam Maßnahmen initiieren und noch abgestimmter und gemeinsamer vorgehen. Nur so gelingt es uns, eine langfristig anhaltende und positive Entwicklung herbeizuführen.
Unabhängig von der Innenstadtoffensive finden entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung der Straßenkriminalität auch in den anderen südhessischen Kommunen statt.
Für noch mehr Sicherheit im öffentlichen Raum werden wir auch prüfen, wo weitere Videoschutzanlagen zielführend sind, um entsprechende Empfehlungen an die Kommunen heranzutragen. Gleiches gilt für die permanente Einrichtung von Messer- und Waffenverbotszonen. Sie sind zu einem wichtigen Baustein in der Sicherheitsarchitektur geworden und haben insbesondere eine präventive Wirkung. Denn wer erst gar keine Waffen oder Messer mitführt, kann sie auch nicht einsetzen. Aus diesem Grund befürworten wir weiterhin die Einrichtung von Waffenverbotszonen in Darmstadt und Rüsselsheim. Zudem begrüße ich in diesem Zusammenhang die Ausweitung von Messer- und Waffenverbotszonen auf den öffentlichen Personenverkehr in Hessen."
Diebstahlsdelikte
2024 wurden im Polizeipräsidium Südhessen 16.741 Diebstahlsdelikte registriert. Hierbei handelte es sich bei 9.591 Fällen um einfache und bei 7.150 Fällen um schwere Diebstähle. Der schwere Diebstahl, formal Diebstahl unter schweren Umständen, hat im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 % abgenommen, der einfache Diebstahl um 2,7 %, nachdem in beide Bereichen im Vorjahr deutliche Anstiege von über 20 % zu verzeichnen waren.
Im Vergleich zu vor 20 Jahren gibt es heute fast ein Drittel weniger Diebstähle bei einer deutlich besseren Aufklärungsquote.
Grafik: Diebstahlsdelikte
Mit 3.300 Fällen ist der Ladendiebstahl bei den einfachen Diebstahlsdelikten führend. Nach einem deutlichen Anstieg von 33 % von 2022 auf 2023, gab es letztes Jahr 8,7% beziehungsweise 313 Taten weniger als 2023. Dem einfachen Ladendiebstahl folgen Diebstähle aus Autos. Hier wurden 1.254 Fälle und damit 22 Taten mehr als 2023 erfasst.
"In Zusammenhang mit den Diebstählen aus Autos stellen wir fest, dass Täter häufig in Bereichen, wo vermehrt Autos abgeparkt sind, einfach schauen, welches Auto nicht abgeschlossen ist. Lässt sich eine Tür öffnen, wird in der Folge nach Wertgegenständen in den Fahrzeugen gesucht und diese mitgenommen. Die Täter haben damit viel Erfolg, wie die Zahlen zeigen. Daher meine eindringliche Bitte an alle Autofahrer: Achten Sie immer darauf, dass Ihr Auto abgeschlossen ist, nachdem Sie es verlassen haben und lassen Sie keine Wertgegenstände in Fahrzeugen zurück", sagt Abteilungsdirektor Manfred Burkart. Beim schweren Diebstahl dominiert nach wie vor der Fahrraddiebstahl mit 2.205 Fällen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fallzahlen hier noch einmal um 3,5 % gestiegen. Damit sind 30 % aller schweren Diebstahlsdelikte Fahrraddiebstähle. Die deutliche Zunahme von Fahrrädern als Fortbewegungsmittel, insbesondere auch von E-Bikes, bieten eine breite Palette sowohl für Gelegenheitsdiebe als auch für professionell zum Teil überörtlich agierende Diebesbanden, die sich auf Räder aber auch Radteile spezialisiert haben und diese gewinnbringend, zum Teil auch im Ausland, verkaufen.
"Neben verschiedenen polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Fahrraddiebstahls, wie zum Beispiel eine gebündelte Sachbearbeitung oder die Nutzung von Ortungstechnik, ist Prävention von besonderer Bedeutung. Denn ein gut gesichertes Rad wird erst gar nicht gestohlen. Richtige Sicherungstechniken, hochwertige Schlösser oder auch eine Codierung machen Räder für Diebe unattraktiv. Im Rahmen unserer Präventionsmaßnahmen werden wir in diesem Jahr genau an diesen Punkten ansetzen und die Bürgerinnen und Bürger sowohl persönlich als auch über die sozialen Medien verstärkt informieren und sensibilisieren. So sollte es uns gelingen, die steigenden Fallzahlen und damit verbunden einen nicht unerheblichen Schaden für die Betroffen zu minimieren", so Manfred Burkart.
Rohheitsdelikte
Unter dem Begriff Rohheitsdelikte sind alle Straftaten erfasst, die weitestgehend im Kontext des gesellschaftlichen Miteinanders stattfinden. Es handelt sich um Körperverletzungsdelikte, Straftaten gegen die persönliche Freiheit, wie zum Beispiel Bedrohungen oder auch Raubstraftaten. Der Anstieg der Rohheitsdelikte in den letzten Jahren und auch der zunehmende Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen ist ein Indikator für die Verrohung der Gesellschaft. Der Negativtrend der Vorjahre setzte sich auch 2024 fort. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Rohheitsdelikte um 218 Taten (+ 2,7 %) auf 8.399 Fälle angestiegen und befinden sich auf dem höchsten Stand in der Langzeitbetrachtung. Im Vergleich zu 2019 gab es über ein Drittel mehr Straftaten.
Bedrohung
Bedrohung gehört neben Nötigung und Verleumdung zu den Delikten, bei denen vor allem psychische Gewalt ausgeübt wird. Ziel ist es, das Gegenüber einzuschüchtern. Eine erlebte Bedrohung löst neben dem inneren Konflikt vor allem Ängste aus. Die größte Angst hierbei ist die um die eigene Sicherheit oder die Sicherheit nahestehender Personen. Aber auch psychische Reaktionen, wie zum Beispiel sozialer Rückzug, Schlafstörungen oder der Verlust der Lebensfreude, können sich einschleichen.
Grafik: Bedrohung
Die Zahl der strafrechtlich relevanten Bedrohungen ist auf Höchststand und hat über die letzten Jahre deutlich zugenommen. Seit 2019 haben sich die Fälle mehr als verdoppelt (+ 110,4 %), im virtuellen Raum aufgrund der Anonymität des Internets sogar fast verdreifacht. Bedrohungen werden insbesondere auch über die Sozialen Medien verübt. Die Meldestelle "Hessen gegen Hetze" ist dabei ein besonderer Baustein, um dieser negativen Entwicklung entgegenzutreten.
Körperverletzungsdelikte
Die Fälle von Körperverletzungen sind weiterhin steigend. 2024 haben Körperverletzungsdelikte mit 5.358 Taten einen neuen Höchststand erreicht. Seit 2019 sind die Fallzahlen um über ein Viertel gestiegen.
Über zwei Drittel der Fälle sind einfache vorsätzliche Körperverletzungen (3.658 Fälle). Sie sind im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % gestiegen. Die schweren Körperverletzungen sind nach deutlichen Anstiegen in den Vorjahren mit 1.477 Fällen konstant zum Vorjahr.
Rund 20 % der 4.877 ermittelten Tatverdächtigen aller Körperverletzungsdelikte waren unter 21 Jahren. Bei Körperverletzungsdelikten in der Öffentlichkeit waren es knapp 40 % und damit sieben Prozentpunkte weniger als 2023. Bei den Erwachsenen ist die Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren besonders auffällig. Sie macht rund ein Viertel der ermittelten Tatverdächtigen aus.
Da es in der Regel eine Beziehung zwischen Tätern und Opfern gibt, liegt die Aufklärungsquote durchgängig über 90 %.
Häusliche Gewalt
Grafik: Gewalt gegen Frauen
"Eine besorgniserregende Entwicklung ist bei Delikten in Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen festzustellen. Die Delikte der häuslichen Gewalt und des Stalkings befinden sich auf einem Höchststand und haben seit 2019 um 50 % zugenommen. Dieser negative Trend zeigt, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Körperlicher und psychischer Gewalt gegen Frauen gilt es entschieden entgegenzuwirken und Frauen besser zu schützen. Daher begrüße ich das in Hessen im November 2024 verabschiedete Frauensicherheitspaket, das mehr Schutz, eine effektivere Strafverfolgung und verbesserte Präventionsmöglichkeiten beinhaltet. So haben wir zum Beispiel durch die Gesetzesänderung im HSOG die Möglichkeit, potentielle Täter, unabhängig vom Gewaltschutzgesetz, besser zu überwachen", so der Polizeipräsident zur Entwicklung.
Mit 1.936 registrierten Fällen ist die Zahl der Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt auf den höchsten Stand in der Langzeitbetrachtung und im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 % gestiegen. Bei rund 90 % der häuslichen Gewalt handelt es sich um Rohheitsdelikte, davon 1.352 Körperverletzungen, mehrheitlich einfache Körperverletzungen (1.159 Fälle).
Rund 80 % der 1.611 ermittelten Tatverdächtigen sind Männer (1.274). Ihr Anteil ist konstant zum Vorjahr und signifikant hoch. Knapp 40 % der Männer waren im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Ihr Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozentpunkte erhöht. Im Bereich des Stalkings ist der Anstieg der Straftaten identisch. Mit 251 Taten sind auch hier die Fallzahlen auf dem höchsten Stand in der Langzeitbetrachtung.
Sexualdelikte
Grafik: Sexualdelikte
Nach den deutlichen Zunahmen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in den letzten Jahren, ist 2024 ein Fallzahlenrückgang von 8,1 % zu verzeichnen. Mit 1.323 Fällen sind die Zahlen aber weiterhin konstant hoch. Während sich die sexuellen Belästigungen mit 201 Fällen auf dem höchsten Stand seit der Gesetzesänderung 2016 befinden und im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel gestiegen sind, haben Beleidigungen auf sexueller Basis im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel abgenommen. Es sind die wenigsten Fälle im Langzeitvergleich. Auch die Fallzahlen der Sexualdelikte, die im Wesentlichen, wie auch die Jahre zuvor, aus den Ermittlungen der BAO FOKUS resultieren, haben sich stabilisiert und im Vergleich zu den letzten Jahren erstmals wieder abgenommen (- 12,2 %).
Nach wie vor dominieren bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Straftaten im virtuellen Raum. Mehr als 54 % der insgesamt 1.323 Fälle fanden über das Internet statt. Der Anteil ist die letzten drei Jahre konstant und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Ermittlungen der BAO Fokus.
Insgesamt wurden im Polizeipräsidium Südhessen 123 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und 572 Fälle, die in Zusammenhang mit Verbreitung, Erwerb, Besitz oder Herstellung von Kinderpornografie stehen, registriert.
Grafik: BAO FOKUS
"Auch weiterhin werden wir Kindesmissbrauch gezielt bekämpfen. Dafür steht die BAO Fokus. Sie ist seit 2024 fester Bestandteil der Regelorganisation im Polizeipräsidium Südhessen. Über 30 Ermittlerinnen und Ermittler der Kriminaldirektion bearbeiten Verfahren in Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie die Bekämpfung des Phänomenbereichs Kinder- und Jugendpornografie. Hierzu gehört auch die gezielte Bearbeitung von Verfahren mit einschlägig in Erscheinung getretenen Tätern, auch im Rahmen der Gefahrenabwehr. Allein im letzten Jahr haben wir im Rahmen dieser Ermittlungen fast 200 Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Haftbefehle vollstreckt. Neben einer konsequenten Strafverfolgung sind Aufklärung, Prävention und Hilfsangebote von besonderer Bedeutung. Je mehr dieses "Tabu-"Thema in den gesellschaftlichen Fokus rückt, desto mehr Fälle können aufgedeckt und den Opfern geholfen werden. Auch 2024 wird das Polizeipräsidium Südhessen zum Schutz von Kindern seine Präventionsmaßnahmen engagiert fortführen und weiterhin auf das Thema aufmerksam zu machen und noch mehr Menschen sensibilisieren, insbesondere auch über die Risiken und Gefahren im digitalen Raum", erklärt Abteilungsdirektor Manfred Burkart.
Jugendkriminalität
Jugendkriminalität umfasst die von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden begangenen Straftaten. Jugendliche (14-16 Jahre) stehen hierbei im besonderen Fokus, da sie fast die Hälfte der Tatverdächtigen unter 21 Jahren ausmachen.
Grafik: Jugendkriminalität
2024 waren in Südhessen 18,5 % aller 20.996 ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahren. Ihr Anteil hat im Vergleich zum Vorjahr erfreulicherweise abgenommen. 2023 waren es noch 20,8 %.
Trotz der positiven Entwicklung sind immer noch auffallend viele Kinder, Jugendliche und Heranwachsende straffällig, insgesamt 3.875 Personen. Von den insgesamt 20.996 Tatverdächtigen waren 750 Kinder, 1.742 Jugendliche und 1.383 Heranwachsende. Das sind über ein Fünftel aller Tatverdächtigen. Sie waren für 4.849 Straftaten verantwortlich. Das heißt, dass 17,5 % der geklärten Fälle von unter 21-Jährigen begangen wurden.
Insbesondere im Bereich der Rohheitsdelikte ist trotz eines Rückgangs der Tatverdächtigen im Gesamten ein Anstieg von 1.257 Personen auf 1.308 Personen (+ 4,1 %) zu verzeichnen.
Zur Entwicklung führt Polizeipräsident Björn Gutzeit aus: "Es ist weiterhin notwendig, sich dem Themenfeld Kinder- und Jugendkriminalität zu stellen, um einer negativen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen frühzeitig entgegenzuwirken. Das muss unser aller Ziel bleiben. Es freut mich daher besonders, dass wir am 19. Dezember 2024 den offiziellen Startschuss für ein Haus des Jugendrechts in Südhessen gemeinsam mit Justiz, Stadt und Landkreis unterzeichnet haben. Für das Engagement und die gute Zusammenarbeit danke ich allen Beteiligten.
Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Errichtung eines Hauses des Jugendrechts ist jetzt der Grundstein für eine behördenübergreifende Zusammenarbeit gelegt, um Jugendkriminalität effizienter entgegenzuwirken. Neben der repressiven Strafverfolgung wird in der künftigen Arbeit auch ein noch stärkerer Fokus auf die Prävention gelegt. Ziel ist es, Prävention und Repression aus einer Hand zur Entfaltung zu bringen, um einerseits schnelle und gezielte Maßnahmen zu ermöglichen und andererseits präventive Konzepte nachhaltig zu stärken.
Durch die enge, vernetzte und abgestimmte Arbeit aller Beteiligten, können wir noch besser auf strafrechtlich relevantes Verhalten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden reagieren. Wichtig sind dabei vor allem sehr zeitnahe und von Beginn an abgestimmte Maßnahmen, bei denen die individuelle Lebenssituation der jungen Menschen berücksichtigt wird. Das Ziel dabei ist, junge Menschen von Kriminalität abzuhalten beziehungsweise wieder abzubringen und eine dauerhafte Delinquenz zu verhindern."
Tatverdächtige
Die Polizeiliche Kriminalstatistik differenziert lediglich zwischen deutschen und nichtdeutschen Tatverdächtigen. Das Kriterium ist die Staatsangehörigkeit. Ein eventueller Migrationshintergrund wird nicht berücksichtigt, Zuwanderer können innerhalb der nichtdeutschen Tatverdächtigen separat ausgewiesen werden.
"Wichtig ist, dass man die Zahlen der Tatverdächtigen sehr differenziert betrachtet. Eine Pauschalisierung wäre Nährboden für politische Randbereiche und fördert die Polarisierung. Stereotype, Vorurteile oder Diskriminierung gegenüber bestimmten Personen oder Gruppen gilt es, in unserer Demokratie zu verhindern. Daher sind hier ein sensibler Umgang und die richtige Interpretation besonders wichtig, um weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen zu vermeiden oder Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Fakt ist, dass die Herkunft von Personen nicht maßgeblich für Kriminalität ist. Wie auch bei Deutschen spielen hier eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Hierzu zählen unter anderem der Ausländeranteil an der Bevölkerung sowie demografische und ortsspezifische Faktoren. Die Kriminalitätsneigung ist zum Beispiel da, wo mehr Menschen leben, also in Ballungsgebieten, größer als auf dem Land. Üblicherweise leben in diesen Bereichen aber auch mehr Nichtdeutsche als auf dem Land. Demnach gibt es hier auch mehr Ausländer unter den Tatverdächtigen, was wiederum nicht heißt, dass diese grundsätzlich krimineller sind. Das hat auch eine aktuelle Studie bestätigt", erklärt der Polizeipräsident.
2024 konnten insgesamt 20.996 Tatverdächtige, 16.243 Männer und 4.753 Frauen, ermittelt werden. Diese waren für 27.727 Straftaten verantwortlich. 43,9 % der ermittelten Tatverdächtigen hatten keine deutsche Staatsbürgerschaft, 12,1 % davon waren Zuwanderer. Bei den ausländischen Tatverdächtigen gilt zu berücksichtigen, dass sie auch für Straftaten wegen Verstößen gegen ausländerrechtliche Vorschriften in Betracht kommen. Das sind Straftaten, die Deutsche erst gar nicht begehen können.
Weitere Aufgaben und Herausforderungen
Neben der Kriminalitätsbekämpfung, ausgedrückt in den Zahlen der PKS, galt es für die südhessische Polizei auch 2024 eine Vielzahl weiterer Herausforderungen und Aufgaben zu stemmen.
So wurden unter anderem 166.000 bei der Leitstelle des Polizeipräsidiums Südhessen eröffnete Einsätze abgearbeitet, darunter 147.000 Notrufe. Bei über 24.500 Verkehrsunfällen erfolgte eine polizeiliche Aufnahme. 182 mit Haftbefehl gesuchte Personen konnten bei 5.400 Kontrollen im Rahmen der Schleierfahndung festgenommen werden. 845 Einsätze aus besonderem Anlass, wie zum Beispiel Versammlungen, Feste oder Fußballspiele erdorderten polizeiliches Handeln.
In der Abschiebungshafteinrichtung des Landes Hessen, für deren Betrieb das Polizeipräsidium Südhessen zuständig ist, ist die Zahl der Unterbringungen 2024 weiterhin gestiegen. 2024 wurden 647 Personen neu aufgenommen.
Abschließend resümiert Polizeipräsident Björn Gutzeit:
"Die Bilanz der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 zeigt erneut, dass die südhessische Polizei ihrer Verantwortung, für eine stabile Sicherheit zu sorgen, auch 2024 mit vollem Einsatz nachgekommen ist. Die südhessischen Bürgerinnen und Bürger leben in der sichersten Region in Hessen. Südhessen zählt darüber hinaus zu den sichersten Regionen bundesweit. Die Bürgerinnen und Bürger in Südhessen können darauf vertrauen, dass wir auch in diesem Jahr täglich, rund um die Uhr, unser Bestmögliches für ihre Sicherheit leisten werden.
Für ihren täglichen engagierten Einsatz gilt daher mein besonderer Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Polizeipräsidiums Südhessen. Dank ihrer guten Arbeit lässt es sich in Südhessen besonders sicher leben."
Weitere Informationen zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 sind auf der Homepage des Polizeipräsidiums Südhessen unter www.polizei.hessen.de/ppsh abrufbar.
Hinweis für die Medienvertreter:
Die Pressemeldung mit den entsprechenden Grafiken zu den Delikten ist der pdf-Datei zu entnehmen und auch auf unserer Homepage abrufbar.
Rückfragen bitte an:
Polizeipräsidium Südhessen
Andrea Löb (Pressesprecherin)
Klappacher Straße 145
64285 Darmstadt
Pressestelle (zentrale Erreichbarkeit):
Telefon: 06151 / 969 - 13500
E-Mail: pressestelle.ppsh@polizei.hessen.de
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