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Der Wendepunkt im Kampf gegen den IS: Kobane

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Potsdam (ots)

Die Schlacht von Kobane gilt als Wendepunkt im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) in Syrien und im Irak. Dennoch sind diese Kämpfe der Öffentlichkeit kaum bekannt. Prof. Dr. Alaric Searle hat mit seinem Vortrag begonnen, diesen Ereignissen einen Platz in der neuesten Geschichte des Nahen Ostens einzuräumen.

Am 26. Juni 2024 hielt Professor Searle im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam einen Vortrag zu den Ereignissen in Kobane zwischen September 2014 und Januar 2015. Oberst Dr. Uwe Hartmann begrüßte in Vertretung des Kommandeurs des ZMSBw viele Gäste im gut gefüllten Saal begrüßen. Dr. Markus Pöhlmann führte in das Thema ein und bezeichnete die Schlacht um Kobane als Teil der dunkelsten Zeit des Konflikts in Syrien. Der sogenannte IS, der seine Entstehung im Irak hatte und von dort weite Teile des Iraks und Syriens erobern konnte, wurde auch mit deutscher Hilfe bekämpft. So gab es im kurdischen Gebiet des Nordirak eine Ausbildungsmission der Bundeswehr und weitere Maßnahmen, um lokale Sicherheitskräfte aufzubauen.

Ein vergessener Sieg gegen den sogenannten IS

Kobane liegt unmittelbar an der türkisch-syrischen Grenze. Es ist Teil eines mehrheitlich kurdischen Siedlungsgebietes. Der Angriff des IS auf Kobane begann am 15. September 2014. Die Angreifer verfügten dabei über ein großes Waffenpotenzial (30 bis 50 Kampfpanzer und andere schwere Waffen), eine zahlenmäßige Überlegenheit bei den Kämpfern und die Überzeugung unbesiegbar zu sein. Die Verteidigungskräfte sahen sich hingegen mit vielen Problemen konfrontiert. Vor allem die Nachschubsituation war aufgrund der türkischen Haltung kompliziert. Da die Türkei den Bestrebungen der Kurden nach Autonomie ablehnend gegenüber steht, wurde eine Unterstützung der mehrheitlich kurdischen Soldatinnen und Soldaten in Kobane durch die Türkei oder über türkisches Gebiet lange blockiert. Trotzdem gelang den Verteidigungskräften in Kobane ein überraschender Sieg gegen den IS. Dieser Erfolg gegen die Terrormiliz ist heute kaum bekannt und seine Bedeutung für den Verlauf der Kämpfe in Syrien wird wenig gewürdigt und ist noch nicht wissenschaftlich untersucht. In seinem Vortrag ging Professor Searle zunächst auf eines der größten Probleme für Historikerinnen und Historiker bei Betrachtung der Schlacht ein: die dürftige Quellenlage. Forschende sind es gewohnt, Berge von Akten und Dokumenten zu sichten, um an den Kern der Ereignisse zu gelangen. Im Fall Kobane gibt es weder vom IS noch von den Kämpfenden der Volksverteidigungseinheiten oder der Freien Syrischen Armee nennenswerte Aufzeichnungen.

Kobane - der Anfang vom Ende des IS

Dennoch gelingt es mithilfe von journalistischen Reportagen, Social-Media-Posts, Augenzeugenbefragungen oder Berichten von Nichtregierungsorganisationen ein Bild vom Verlauf der Schlacht zu bekommen. So eroberten die angreifenden Einheiten des IS Anfang Oktober einen strategisch wichtigen Hügels südlich der Stadt. Bis Mitte des Monats konnte der IS fast die Hälfte der Stadt einnehmen. Durch die Unterstützung der US-Luftwaffe mit gezielten Angriffen auf IS-Stellungen gelang es den Verteidigungskräften nach und nach den IS zu vertreiben. Am 26. Januar 2015 erklärten kurdische Gruppen den Kampf um Kobane für beendet und den IS für geschlagen. Die genauen Zahlen und konkrete Informationen zu beteiligten Einheiten, Verlusten oder Frontlinien gibt es nicht. Vielmehr muss hier mit Schätzungen und Vermutungen gearbeitet werden. Der IS setzte beim Kampf um Kobane auf seine Panzer, die in den engen Straßen jedoch oft ein leichtes Ziel für die Verteidiger waren, und auf Selbstmordangriffe. Auch gibt es Indizien, dass es zu einer Zusammenarbeit des IS mit türkischen Sicherheitskräften kam. Die Niederlage des IS bei der Schlacht um Kobane hatte eine Vielzahl von Auswirkungen. So verlor der IS den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Außerdem waren die Verluste an Personal und Material sehr hoch und schwächten die Kampfkraft des IS. Auf der anderen Seite stärkte der Sieg der Verteidiger deren Moral und beflügelte sie für die Offensive zur Vernichtung des IS.

Frauen ein entscheidender Faktor

Auf Seiten der Verteidiger kommt den Frauenkampfverbänden der Volksverteidigungseinheiten (YPJ) eine wichtige Rolle zu. Die YPJ stellten zahlenmäßig einen großen Anteil der Verteidigenden. Besondere Bedeutung erlangte die YPJ-Kämpferin Arin Mirkan, die sich in aussichtsloser Lage selbst in die Luft sprengte und dadurch vermutlich mehr als 10 IS-Kämpfer tötete. Sie wurde danach zu einem Symbol des Widerstands. Heute ist ihr in Kobane ein Denkmal gewidmet. Darüber hinaus waren die Kämpferinnen gefürchtete Scharfschützinnen, die den IS-Einheiten erhebliche Verluste zufügten. Ihre erfolgreiche Teilnahme an den Kampfhandlungen entspricht dabei dem Rollenverständnis der kurdischen Frauen und hat ihre Gleichberechtigung weiter gestärkt.

Pressekontakt:

Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
stellvertretender Leiter der Informationsarbeit
Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
0331 9714 400
ZMSBwPressestelle@bundeswehr.org

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