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Zurück in die internationale Spitze? Der deutsche Spitzensport braucht eine umfassende Weiterentwicklung

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Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein, muss der deutsche Spitzensport neue Wege einschlagen, zeigt eine WHU-Studie. Eine gezielte Modernisierung und Professionalisierung würden dem deutschen Spitzensport weitreichende Chancen eröffnen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei auch dem deutschen Mittelstand zu.

Zurück in die internationale Spitze? Der deutsche Spitzensport braucht eine umfassende Weiterentwicklung

Droht Deutschlands Spitzensport der Abstieg ins Mittelmaß – und was muss geschehen, damit das nicht passiert? Eine durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderte Delphi-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Sascha L. Schmidt und Co-Autorin Alexandra Büchling vom Center for Sports and Management (CSM) an der WHU – Otto Beisheim School of Management ist diesen Fragen nachgegangen. Das zentrale Ergebnis der Studie: Der Spitzensport muss sich noch stärker professionalisieren. Dafür müssen neue Ansätze umgesetzt werden.

In der Studie „Die Zukunft des deutschen Spitzensports im Jahr 2040“ des CSM bewerteten 82 Expert:innen zwölf Projektionen zu politischen, regulatorischen, ökonomischen, sozio-kulturellen, technologischen und ökologischen Einflüssen auf den Spitzensport in Deutschland. Stakeholder aus verschiedenen Bereichen des Spitzensports, darunter Vertreter:innen von Spitzen- und Regionalverbänden, Sponsoren, Sportwissenschaftler:innen sowie aktive und ehemalige Spitzensportler:innen, gaben ihre Einschätzung zur Eintrittswahrscheinlichkeit der jeweiligen Projektion. Die Antworten zeigen: Die sportliche Situation Deutschlands kann sich nur verbessern, wenn strukturelle und systemische Hürden – wie die reine Abhängigkeit von staatlicher Förderung, der Mangel an professionellen Ressourcen oder aber die geringe Digitalisierung und Innovationskraft – überwunden werden.

Der Handlungsbedarf ist hoch: So hält ein großer Teil der Expert:innen es für möglich oder teils sogar für sehr wahrscheinlich, dass der deutsche Spitzensport im Jahr 2040 international nicht mehr konkurrenzfähig ist (53 % Eintrittswahrscheinlichkeit). Laut der Studie kann ein Zusammenschluss zwischen Spitzensport und dem deutschen Mittelstand eine Möglichkeit sein, um das zu verhindern. Gleichzeitig verspricht die Kooperation enormes Potenzial, vor allem, wenn sie über finanzielle Unterstützung hinausgeht – etwa in Form dualer Karriereförderung von Spitzenathlet:innen sowie technologischer Partnerschaften zwischen Spitzenverbänden und Unternehmen.

„Bei den Olympischen Spielen in Paris verzeichnete Deutschland mit Platz zehn im Medaillenspiegel das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Das befeuerte die Debatte über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Spitzensports“, sagt Prof. Dr. Sascha L. Schmidt. „Die jüngsten Initiativen zur Reform des Fördersystems sind positiv, reichen aber nicht aus, wie die Ergebnisse unserer Studie belegen. Es ist offensichtlich, dass der deutsche Spitzensport dringend seine Strukturen modernisieren muss, um international nicht den Anschluss zu verlieren. In der Studie zeigen die Expert:innen Lösungen auf. Klar ist: Für die erfolgreiche Umsetzung bedarf es eines Zusammenspiels von Politik, Wirtschaft und (Spitzen-) Verbänden.“

Schlüsselerkenntnisse der Studie

Strukturelle Probleme gefährden die Basis: Obwohl die Anzahl der Mitgliedschaften im organisierten Sport in Deutschland 2024 einen Höchststand erreichte, droht eine Erosion der notwendigen Basisstrukturen. Finanzielle Instabilität, wachsende bürokratische Hürden und der Rückgang ehrenamtlichen Engagements werden von den Expert:innen als zentrale Herausforderungen identifiziert. Zwar dürften die Tätigkeit ehrenamtlicher Mitarbeitendender im Spitzensport im Jahr 2040 weiter eine große Rolle spielen (Eintrittswahrscheinlichkeit: 68%), doch erwarten die Expert:innen eine Verlagerung hin zur Hauptamtlichkeit.

Neue Finanzierungsmodelle als Chance: Der Spitzensport sollte sich nicht allein auf staatliche Förderung verlassen. Die Diversifizierung der Finanzierungsquellen wird als entscheidend angesehen, um langfristig wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Alternative Finanzierungsmodelle, wie Investitionen privatwirtschaftlicher Unternehmen in Spitzenverbände, bieten laut den befragten Expert:innen großes Potenzial (Eintrittswahrscheinlichkeit: 59 %).

Professionalisierung und Kommerzialisierung als Erfolgsfaktor: Getrieben durch den steigenden Bedarf an Professionalisierung und technischer Expertise in den Verbänden, erwarten die Expert:innen, dass Spitzenverbände u. a. mit der Beschäftigung eines Technischen Direktors bzw. einer Direktorin reagieren werden (Eintrittswahrscheinlichkeit: 69 %). Zudem halten die Expert:innen es für möglich, dass bis 2040 mindestens jeder vierte Spitzenverband eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt (Eintrittswahrscheinlichkeit: 54 %). Dies könnte langfristig zu stabileren Strukturen und besseren Förderbedingungen führen.

Die im Report veröffentlichten Ergebnisse bieten Inspirationen und zeigen teils unkonventionelle Lösungsansätze auf, wie etwa eine Abkehr von der traditionellen Auffassung, dass Spitzensport primär dem Gemeinwohl und nicht wirtschaftlichen Interessen dienen soll. Das CSM der WHU bedankt sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung, insbesondere beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft, das die Studie gefördert hat.

Wie Delphi-Studien funktionieren

Die Delphi-Methode ist eine anerkannte Technik zur Strukturierung von Gruppen- Kommunikationsprozessen. Sie verfolgt eine zukunftsgerichtete Perspektive und ermöglicht die Bewertung der Wahrscheinlichkeit, mit der bestimmte Entwicklungen, beispielsweise in der Sportbranche, eintreten könnten. Das Center for Sports and Management der WHU verfügt über umfassende Expertise bei der Durchführung von Delphi-Studien, sowohl für wissenschaftliche Publikationen als auch für Presseartikel.

Sollten Sie weitere Fragen haben oder ein Interview mit einem der Autoren der Studie führen möchten, wenden Sie sich gerne an presse@whu.edu

Das Center for Sports and Management an der WHU

Das 2014 als Teil der Entrepreneurship and Innovation Group an der WHU gegründete Center for Sports and Management (CSM) ist ein dynamisches Team von Sport-Enthusiasten, das sich den neuen Geschäftsanforderungen der Sportindustrie widmet. Die Forschungs- und Lehrtätigkeit konzentriert sich auf Bereiche, die für die Branche von grundlegender Bedeutung sind, wie z. B. Diversifikationsstrategien von Unternehmen im Sport (einschließlich Internationalisierungsbestrebungen), die Auswirkungen von Spitzentechnologien (z. B. künstliche Intelligenz, Blockchain und immersive Technologien) auf den Sport und die Stadionökonomie, die sich mit Herausforderungen wie dem No-Show-Verhalten von Fans befasst. Beheimatet an einer der besten Business Schools in Europa hat sich das CSM zum Ziel gesetzt, Führungskräfte aus dem Sportbusiness auf eine Zukunft vorzubereiten, in der technologisches Fachwissen entscheidend ist. Dabei versteht das CSM sich als Sparringspartner, der etablierte Normen in Frage stellt, an innovativen Lösungen forscht und eng mit den Unternehmen zusammenarbeitet, um sowohl deren Organisationen als auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zeiten ständigen Wandels zu stärken.

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Kerstin Leitel
Associate Director Public Relations
WHU – Otto Beisheim School of Management
Campus Vallendar, Burgplatz 2, 56179 Vallendar, Germany
Tel.: +49 261 6509-540;
 presse@whu.edu;  www.whu.edu
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