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NRZ: Der ganz reale Irrsinn - ein Kommentar von REINHARD SCHÜSSLER

Essen (ots)

In einem Walt-Disney-Comic würden wir uns darüber schlapp lachen: Die Polizei macht die Panzerknacker auf dem Weg zum Objekt ihrer Begierde dingfest - nur, um die Bande anschließend zu Dagobert Ducks Geldspeicher zu chauffieren. An diesem Fußball-Wochenende lag Entenhausen jedoch in Gelsenkirchen, und das Szenario war realer Irrsinn: Knapp 400 Randalierer, die - zur Umgehung der Kontrollen - nicht in den angebotenen Sonderzügen anreisen wollten, wurden vom Bahnhof Essen-West in Sonderbussen unter Polizeischutz zur Veltins-Arena befördert, wo sie dann ihr "Werk" vollenden konnten. Für ein Festhalten der Chaoten über das Spiel hinaus habe es keinen "ausreichenden und personell klar zuzuordnenden Tatgrund gegeben", so die Polizei. Man glaubt es nicht. Zumal die Polizei-Strategie zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen bei einem Schalker Heimspiel im Fokus stand. Nachdem gegen Saloniki eine "falsche" Flagge genügt hatte, um den massiven Einsatz mit Pfefferspray und Schlagstöcken zu rechtfertigen, sehen sich die Ordnungshüter nun mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht nur tatenlos bei der Anwendung der lebensgefährlichen Pyrotechnik zugesehen zu haben, sondern sich quasi auch noch zu Handlangern des Mobs gemacht zu haben.Einseitige Polizeischelte dient dem komplexen Thema der Gewalteskalation in Fußballstadien allerdings ebenso wenig wie gegenseitige Schuldzuweisung der Vereine (vor einem Jahr sorgten Schalker Ultras für Störfeuer in Dortmund). Alle, die an Fußballspielen ohne Gewaltexzesse interessiert sind, müssen ihre Mitverantwortung hinterfragen: Die Deutsche Fußballliga, die immer noch nicht ausreichende Sicherheits-Auflagen erteilt; die Vereine mit ihrem mangelnden Ordnungsdienst; und auch die große Mehrheit der echten Fans, die sich ihrer Macht mehr bewusst werden müssten. Klar, an markigen Worten hat es auch diesmal nicht gemangelt. Da war von "asozialem Verhalten" (Watzke) und Schamgefühl (Klopp) die Rede, sieht man einmal von Kevin Großkreutz ("Ich schäme mich für gar keinen") ab, der selbst zu den Unbelehrbaren zählt. Aber "rigorose Konsequenzen" gegen die Rädelsführer anzukündigen, passt nicht zum Verhalten der Dortmunder Mannschaft, die nicht einmal das klitzekleinste Zeichen zu setzen gewillt war - nämlich den obligatorischen Gang in jene Kurve zu verweigern, aus der die Raketen abgefeuert worden waren. Die Unterstellung, alle friedfertigen Anhänger würden sich durch ein solches Signal verprellt fühlen, unterschätzt deren Vernunft.

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