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Europawahl 2024: Wählerauftrag nachhaltige Wirtschaftspolitik – Für eine Ernährungspolitik mit Wachstumsaussichten

Europawahl 2024: Wählerauftrag nachhaltige Wirtschaftspolitik

Für eine Ernährungspolitik mit Wachstumsaussichten

Berlin, den 11.06.2024

Welches Mandat der Wähler spiegelt sich im Ergebnis der Europawahl wider? Und wie kann die europäische Ernährungspolitik diesen Auftrag künftig erfüllen? ProVeg erklärt, was die europäischen Nachbarn bereits tun – und was die Europäische Union tun sollte.

Nach vorläufigen Ergebnissen wird die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) erneut die meisten Abgeordneten im Europäischen Parlament stellen. Die EVP, der die Unionsparteien angehören, hat auch in Deutschland die meisten Stimmen erhalten. Die Wähler schreiben der CDU und ihrer Schwesterpartei CSU vor allem wirtschaftliche Kompetenz zu.1 Analysen zufolge hatte die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung neben Friedenssicherung, sozialer Sicherheit, Zuwanderung und Klima- und Umweltschutz einen großen Einfluss auf das Wahlverhalten in Deutschland.2

Wirtschaft mit Perspektiven

Die Hälfte der Wähler sorgt sich, ob sie ihren Lebensstandard halten kann. Obwohl die meisten Wähler, von der AfD bis zu den Grünen, ihre persönliche wirtschaftliche Situation als gut bezeichnen, bewerten 70 Prozent die allgemeine wirtschaftliche Lage als schlecht – 2019 hielten noch ähnlich viele Wähler die Wirtschaftslage für gut. Ein vergleichbarer Anteil von 66 Prozent sorgt sich, ob ihre Lebensgrundlage angesichts der klimatischen Entwicklung gesichert ist.3 Viele Menschen erleben den Klimawandel aktuell am eigenen Leib: Im Süden Deutschlands haben die Wasserstände vielerorts Rekordhöhen erreicht, während die durchschnittliche globale Erderwärmung immer häufiger über dem Pariser 1,5-Grad-Ziel liegt.4 5

Dieses Wahlergebnis lässt sich als konkreter Arbeitsauftrag für die künftigen Europaabgeordneten aus Deutschland lesen: Die Wähler fordern eine nachhaltige Wirtschaftspolitik – nachhaltig mit Blick auf Klima und Umwelt, aber auch wirtschaftlich nachhaltig. „Wo strukturelle Veränderungen dringend notwendig und unumgänglich sind, bedeutet Nachhaltigkeit, Zukunftsbranchen jetzt erkennbar zu fördern“, erläutert Jens Tuider, Strategischer Leiter der Ernährungsorganisation ProVeg. Bei den Europawahlen haben sich dänische Wähler besonders offen für eine nachhaltige Klima- und Umweltpolitik gezeigt.

Fünf nationale Maßnahmen für eine starke Ernährungswirtschaft

Und tatsächlich: Dänemark hat im vergangenen Jahr eine umfassende Strategie zur Förderung pflanzenbasierter Ernährungslösungen mit einem Gesamtvolumen von 168 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Auch andere europäische Länder haben erste Schritte in Richtung einer zukunftsfähigen Ernährungspolitik unternommen, wenn auch noch etwas zaghafter.

Die Niederlande haben 2022 60 Millionen Euro für die Förderung von kultiviertem Fleisch und der Präzisionsfermentation bestimmt. Frankreich hat 2019 50 Millionen Euro in eine Social-Media-Kampagne investiert, um den Verzehr von Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten zu fördern.6 Und auch Deutschland hat in diesem Jahr 38 Millionen Euro für die Förderung alternativer Proteine vorgesehen – ein wegweisender Schritt, mit dem es im europäischen Vergleich jedoch nur an vierter Stelle steht. Belgien schließlich hat 2020 3,5 Millionen Euro in die Entwicklung von kultiviertem Foie Gras investiert und 2022 weitere 13,1 Millionen Euro in fermentierte Nahrungsmittel auf Pflanzenbasis.7 8

Gezieltes Wachstum durch Farm-to-Fork

Die Farm-to-Fork-Strategie ist eine Vorreiterinitiative des Europäischen Green Deal der aktuellen EVP-Fraktion unter Kommissionspräsidentin Von der Leyen. Die Strategie ist von zentraler Bedeutung für den Übergang zu einer nachhaltigeren und gesünderen Ernährungsweise in der Europäischen Union (EU), wurde bis zur Wahl aber nicht fertiggestellt. „Was man anfängt, bringt man zu Ende“, befindet Tuider und fordert: „Die Aufgabe der Stunde ist ein umfassender Rechtsrahmen für zukunftsfähige Ernährungssysteme.“

ProVeg hat dazu konkrete Vorschläge: Das öffentliche Beschaffungswesen und die Gemeinschaftsverpflegung können die Einführung einer gesunden, nachhaltigen und stärker pflanzenbasierten Ernährung entscheidend beschleunigen. Indem die EU in ihrer Beschaffungspolitik pflanzenbasierten Lösungen Vorrang einräumt, kann sie den Verbrauchern mehr Optionen bieten. Zugleich gilt es, Landwirte beim Anbau geeigneter Rohstoffe zu unterstützen, Abnahmezusagen zu machen und Innovationen in eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. „Eine smarte Beschaffungspolitik kommt der öffentlichen Gesundheit wie der Umwelt zugute – und fördert die wirtschaftliche Attraktivität und die Arbeitsplatzsicherheit in Europa“, betont Tuider. „Das wäre ein echt europäischer Ansatz für die Wirtschaftspolitik der Zukunft.“

Quellen

1 Tagesschau (2024): Europawahl 2024: Wer wählte die Union – und warum?, veröffentlicht am 10.06.2024 (Stand 18:04 Uhr). Online unter: https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-06-09-EP-DE/umfrage-union.shtml

2 Tagesschau (2024): Europawahl 2024: Welche Themen entschieden die Wahl?, veröffentlicht am 10.06.2024 (Stand 18:04 Uhr). Online unter: https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-06-09-EP-DE/umfrage-wahlentscheidend.shtml

3 Tagesschau (2024): Europawahl 2024: Wie beurteilen Wählende ihre Situation und die Lage in Deutschland?, veröffentlicht am 10.06.2024 (Stand 18:04 Uhr). Online unter: https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-06-09-EP-DE/umfrage-lebensverhaeltnisse.shtml

4 Tagesschau (2024): Hochwasser und Klimawandel: Mehr Wärme, mehr Wolken, mehr Regen, veröffentlicht am 03.06.2024. Online unter: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/hochwasser-klimawandel-102.html

5 Tagesschau (2024). Neue Daten zum Klimawandel: Erderwärmung liegt immer häufiger über 1,5 Grad, veröffentlicht am 05.06.2024. Online unter: https://www.tagesschau.de/wissen/rekordwerte-temperatur-klimawandel-100.html

6 Fassier, P., A. Rabès, P. Ducrot et al. (2023): Impact of a French social marketing campaign promoting pulse and whole grain consumption: results from a longitudinal cohort study, in: Frontiers in Nutrition 10:1208824, veröffentlicht am 08.08.2023, doi: 10.3389/fnut.2023.1208824. Online unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10442484/

7 Eos Wetenschap (2019): Voeding: Vlaanderen investeert in kweekvlees, veröffentlicht am 17.12.2019. Online unter: https://www.eoswetenschap.eu/voeding/vlaanderen-investeert-kweekvlees

8 Healthferm (2022): New EU Research Project HealthFerm Just Launched: Plant-based Fermented Foods for Healthier and More Sustainable Diets, veröffentlicht am 01.09.2022. Online unter: https://www.healthferm.eu/news/new-eu-research-project-healthferm-just-launched-plant-based-fermented-foods-for-healthier-and-more-sustainable-diets

Kontakt
Lena Renz
Senior PR Manager ProVeg 
presse@proveg.org 
+49 176 177 858 52
Über ProVeg
ProVeg International ist eine Ernährungsorganisation, die sich für die Transformation des globalen Ernährungssystems einsetzt. Unsere Mission ist, bis 2040 weltweit 50 Prozent der Tierprodukte durch pflanzliche und kultivierte Nahrungsmittel zu ersetzen. ProVeg arbeitet mit relevanten Akteuren am Übergang zu einem Ernährungssystem, in dem sich alle für genussvolles und gesundes Essen entscheiden, das gut für alle Menschen, Tiere und unseren Planeten ist. ProVeg hat den „Momentum for Change“-Preis der Vereinten Nationen erhalten und arbeitet eng mit den wichtigsten UN-Organisationen für Ernährung und Umwelt zusammen. Mit Büros in 12 Ländern auf 4 Kontinenten und mehr als 200 Mitarbeitenden erzielt ProVeg eine globale Wirkung.
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