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Zum Weltkindertag 2026
Ergotherapeut:innen gehen ressourcenorientiert vor und stärken Kinder und Jugendliche, indem sie sie befähigen, Defizite zu überwinden oder alternative Lösungen zu finden

Zum Weltkindertag 2026 / Ergotherapeut:innen gehen ressourcenorientiert vor und stärken Kinder und Jugendliche, indem sie sie befähigen, Defizite zu überwinden oder alternative Lösungen zu finden
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Karlsbad (ots)

Starke Kinder, starke Zukunft! - so lautet das Motto des diesjährigen Weltkindertags am 20. September. "Das deckt sich mit der Arbeit von Ergotherapeut:innen, die im pädiatrischen Kontext arbeiten", zeigt sich Ergotherapeutin Heike Musa, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) begeistert. Kinder, die eine ergotherapeutische Intervention verordnet bekommen, sind meist ebenso wie ihre Eltern von der Haltung, mit der ihnen Ergotherapeut:innen begegnen, angenehm überrascht. Und mehr noch: Sie selbst, ihre Eltern und auch das Umfeld erfahren, wie positiv sich die Arbeit dieser äußerst breit aufgestellten Fachdisziplin im Gesundheitswesen gerade auf Kinder und Jugendliche auswirken kann.

Eine wichtige Voraussetzung, um Kinder und Jugendliche stark zu machen, so wie es der Weltkindertag propagiert, ist, ihnen die nötige Unterstützung bei Schwierigkeiten zu gewähren. Machen Erzieher:innen und Pädagog:innen, die in vielerlei Hinsicht fachlich geschult sind, Eltern auf Dinge aufmerksam, die sie beobachten, lohnt es sich, diesen Hinweisen nachzugehen. Ergotherapeut:innen empfehlen Eltern, parallel ein Augenmerk auf ihre Kinder zu haben. Decken sich die Aussagen der Profis in Kindergarten, Kita oder Schule mit den eigenen Beobachtungen? "Es kann durchaus Abweichungen oder Unterschiede geben", führt die Ergotherapeutin Heike Musa an und weist darauf hin, dass nicht alle Schwierigkeiten auch bei häuslichen Situationen oder mit den Eltern oder anderen Familienmitgliedern auftreten. Motorische Entwicklungsverzögerungen, die sich beispielsweise auf die Stifthaltung - eine Voraussetzung für die Schreibfähigkeit und um in der Schule mitzukommen - auswirken, sind meist auch zuhause zu erkennen. Eine entsprechende Förderung sollte rechtzeitig vor der Einschulung stattfinden. Gleiches gilt für Probleme im Bereich von Aufmerksamkeit und Konzentration, was Eltern ebenfalls im heimischen Umfeld überprüfen können: wie fokussiert und wie genau arbeitet das Kind, lässt es sich leicht ablenken?

Ergotherapeutische Haltung als Gamechanger für Kinder und Jugendliche mit einer Problematik

Eine Thematik, die sich seit den Lockdowns in der Pandemie verstärkt zeigt, sind Schwierigkeiten im sozioemotionalen Bereich. Das bedeutet, dass es Kindern oder Jugendlichen schwerfallen kann, soziale Kompetenzen zu entwickeln, ihre Emotionen zu regulieren, empathisch zu sein und ihre Selbstwirksamkeit zu entfalten. Manche Kinder verhalten sich aggressiv oder "laut", andere sind extrem schüchtern, ängstlich und zurückhaltend und schaffen es häufig nicht, in Handlung zu kommen. Es fällt ihnen schwer, sich zu melden oder Beziehungen anzubahnen. "Es ist für Eltern nicht leicht zu erkennen, ob einem bestimmten Verhalten eine ausgeprägte Charaktereigenschaft oder vielleicht doch eine Problematik zugrunde liegt", erklärt die Ergotherapeutin Musa. Klärung, Unterstützung und Förderung sind hier ebenso zielführend wie in allen zuvor aufgeführten Fällen. Kinder- oder Kinderfachärzt:innen verordnen im Bedarfsfall beispielsweise eine ergotherapeutische Intervention. "Diese ist oftmals wegen der besonderen Haltung von Ergotherapeut:innen der Gamechanger", bestätigt Heike Musa. Geht es bei Kindern und Jugendlichen um ihre Defizite - werden sie also danach beurteilt, was sie nicht können - macht sie das klein. Bei Ergotherapeut:innen geht es zunächst um das, was sie können. Stehen Fragen nach Stärken, Interessen, Ressourcen und sonstigem Können im Vordergrund, fühlen sich Kinder und Jugendliche gesehen. In einer solchen Gefühlslage fällt es ihnen leichter, sich zu öffnen und über das, was ihnen nicht so gut gelingt, zu sprechen.

Mit ergotherapeutischer Unterstützung lernen Kinder und Jugendliche Probleme in Lösungen zu transformieren

Eine Methode, die diese Haltung widerspiegelt, ist das "Ich schaffs" Programm von Ben Furman. In fünfzehn aufeinander aufbauenden Schritten lernen Kinder und - mit leichten Anpassungen - Jugendliche, ein Ziel zu beschreiben. Das kann sein "nicht reinreden", "die Angst, auf den Schulhof zu gehen und andere Kinder anzusprechen überwinden" oder "mit dem richtigen Stift schreiben lernen" - was immer Kinder oder Jugendliche von einem Problem zu einer Fähigkeit umwandeln möchten. "Ergotherapeut:innen geben nichts vor: sie explorieren mit dem Kind gemeinsam die Themen und Anliegen und wählen dann die Schritte aus die nötig sind, damit das Kind die erwünschte Fähigkeit erlernt", beschreibt Musa eine ganz entscheidende Herangehensweise von Ergotherapeut:innen. Nach der "Theorie" gehen Kinder oder Jugendliche in die Erprobung: Was von dem, was besprochen wurde, klappt im (Schul-)Alltag schon? Funktioniert etwas weniger gut oder gar nicht, überlegen Ergotherapeut:innen zusammen mit dem Kind beziehungsweise der oder dem Jugendlichen nochmals, welche Alternativen es gibt. Eine Möglichkeit, um Fähigkeiten besser zu erlernen, ist, dass das Kind Menschen aus seinem Umfeld einlädt, es als Helfer:in zu unterstützen. Das Kind entscheidet also selbst: worum bitte ich meine Eltern oder ein Elternteil, meine Lehrer:innen oder wen auch immer; wen bitte ich, mit mir zusammen Ideen zu entwickeln? Das ist ein Wendepunkt: Im Unterschied zu "Eltern oder Lehrer:in greifen ein", bittet das Kind von sich aus diese Personen um Hilfe. Entsprechend der zuvor mit dem oder der Ergotherapeut:in besprochenen Vorgehen fragt das Kind beispielsweise die Mutter: "Kannst Du mich bitte immer nach dem Mittagessen an die Hausaufgaben erinnern oder fragen, ob ich alles fertig habe".

Ergotherapeut:innen beziehen Öffentlichkeit und Umfeld ...

Es ist ein Zeichen von selbstbestimmtem Handeln und Selbstständigkeit, andere zur Unterstützung heranzuziehen und ist das Gegenteil von der häufig üblichen Vorgehensweise erziehungsberechtigter Personen, dass diese ungebeten und - aus Sicht der Kinder und Jugendlichen - bevormundend nach Dingen fragen, die sie, nicht das Kind oder die Jugendlichen selbst, für wichtig halten. Dadurch empfinden sich Kinder und Jugendliche als selbstwirksam und entwickeln Stärke. Das Umfeld spielt eine ebenso zentrale Rolle wie die Eltern; es ist daher naheliegend, Lehrer:innen oder Erzieher:innen ebenfalls in die ergotherapeutische Intervention einzubeziehen. Es gibt eine Beratungsposition für ergotherapeutische Verordnungen, die das soziale und das häusliche Umfeld betreffen: Ergotherapeut:innen haben in Absprache mit Eltern und Kind die Möglichkeit, in das Umfeld des Kindes zu gehen. Das deckt sich mit einem Punkt aus dem "Ich schaffs" Programm, der vorsieht, die Menschen im Umfeld zu informieren, unter anderem auch darüber, welche Fähigkeit das Kind gerade erlernt. Und gleichzeitig zu schauen, wie verhält sich das Kind im Unterricht oder beim Spielen in Kindergarten oder Kita. Entsprechendes Feedback, und zwar ebenso für die Pädagog:innen wie für das Kind, bringt alle weiter. Zudem wirkt es sich ausgesprochen positiv auf Kinder und Jugendliche aus, proaktiv Dinge anzugehen oder anzusprechen. Das ist selbstbestimmt und verstärkt das wachsende Selbstvertrauen dieser Kinder und Jugendlichen und zeugt von deren zunehmendem Selbstbewusstsein.

... und ebenso die Eltern ein

Die Eltern sind von Anfang an und zu jeder Zeit Teil der Intervention. Sie werden ressourcenorientiert und wertschätzend mit ins Boot geholt. Sie haben die Möglichkeit, Einzeltermine ohne das Kind zu bekommen; Eltern können zu Beginn jedes Termins bei Ergotherapeut:innen dabei sein, sind es aber auf jeden Fall immer am Ende einer Behandlungseinheit. Die Kinder können dann dem Elternteil, das sie abholt zeigen, was sie gemacht haben und was gut geklappt hat. "Das sind zudem häufig Momente, um Modelllernen anzuwenden", bestätigt Heike Musa, die im Folgenden erklärt, wie dies funktioniert. Mitunter sind die Kinder am Ende einer Behandlungseinheit erschöpft, überdreht oder einfach nur "durch" und drehen dann nochmal besonders auf oder legen etwa impulsive Verhaltensweisen an den Tag. Das ist eine gute Gelegenheit für Ergotherapeut:innen, mit dem Kind zu interagieren und auf diesem Weg Eltern beobachten zu lassen, wie sie selbst sich in ähnlichen Situationen verhalten könnten. Loben und Anerkennen hat einen großen Stellenwert bei Ergotherapeut:innen und findet immer dann statt, wenn ein Erfolg - und sei er noch so klein - zu sehen ist. Ist das Ziel einer ergotherapeutischen Intervention erreicht, wird dieser wirklich große Erfolg gefeiert, sprich besonders gewürdigt. Loben und Würdigen ist im Übrigen für Eltern ebenfalls eine gute, die Kinder motivierende Verhaltensweise. Auch das das Programm "Ich schaffs" sieht vor: sich "feiern" und "feiern" lassen für alles Erreichte. Doch damit ist das Programm noch nicht zu Ende. Als vorletzten Schritt im Programm dürfen die Kinder die neu erworbene Fähigkeit einem anderen Kind beibringen. Das ist eine ganz besondere Auszeichnung und wer könnte entsprechend dem Motto des Weltkindertags besser gerüstet sein für eine starke Zukunft als diese Kinder und Jugendlichen.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche. Zum Podcast gerne hier entlang: https://dve-podcast.podigee.io/. Außerdem: https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie e.V. - DVE | Facebook

Pressekontakt:

Angelika Reinecke,
Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
a.reinecke@dve.info

Original-Content von: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), übermittelt durch news aktuell

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