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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

UN-Tag des Artenschutzes (3.3.): Naturschutz und Menschenrechte kein Gegensatz – Solidarität mit den Maasai in Tansania

Anlässlich des UN-Tages des Artenschutzes (UN World Wildlife Day) am 3. März macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die systematische Vertreibung der indigenen Maasai in Tansania aufmerksam. Unter dem Deckmantel des Naturschutzes werden Maasai seit Jahrzehnten aus ihren angestammten Gebieten im Norden des Landes vertrieben, um Flächen für den (Jagd-)Tourismus und andere kommerzielle Interessen wie CO₂-Ausgleichsflächen freizumachen.

„Der sogenannte Festungsnaturschutz, der die Absicht hat, Mensch und Natur zu trennen, zerstört in Tansania nicht nur Maasai-Gemeinschaften, sondern ist auch kontraproduktiv für den Erhalt der Biodiversität“, erklärt Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika. „Diese Form des Naturschutzes geht auf eine rassistische Denkweise aus der Kolonialzeit zurück, die zum einen die Idee von ‚unberührter Wildnis‘ vermitteln soll, zum anderen die Überzeugung, dass Indigene Völker sich nicht um ihr eigenes Land kümmern können. Tatsächlich leben die Maasai aber seit vielen Generationen im Einklang mit der Natur und tragen aktiv zum Schutz von Flora und Fauna bei. Ihre traditionellen Praktiken basieren auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit.“

Ihre Vision für eine nachhaltige Alternative zum Festungsnaturschutz haben die Maasai 2024 präsentiert. Die „Maasai Conservation Vision“ betont die kulturelle, ökologische und spirituelle Verbundenheit der Maasai mit ihrem Land und zeigt auf, wie sie seit Jahrhunderten friedlich mit Wildtieren koexistieren. Das Dokument wurde von Maasai-Ältesten, -Frauen und -Jugendlichen aus 26 Dörfern im Norden Tansanias entwickelt und von der Maasai International Solidarity Alliance (MISA) veröffentlicht, der auch die GfbV angehört. „Die Trennung der indigenen Bevölkerung von der Natur widerspricht den Prinzipien eines wirkungsvollen und gerechten Naturschutzes“, sagt Mahler. „Durch das enge Verhältnis der Maasai zur Natur sind sie oft die ersten, die Umweltveränderungen und potenzielle Gefahren wahrnehmen.“

Zusätzlich zu Vertreibungen für den Tourismus stehen die Maasai unter wachsendem Druck durch sogenannte CO₂-Ausgleichsprojekte. „Im Rahmen solcher Programme werden große Landflächen für die Kohlenstoffbindung reserviert, wodurch der Zugang der Maasai zu Weideflächen, Wasserquellen und anderen lebenswichtigen Ressourcen weiter eingeschränkt wird. Häufig geschieht dies ohne eine freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinden“, kritisiert die Menschenrechtlerin. Die „Maasai Conservation Vision“ warnt ausdrücklich davor, dass CO₂-Ausgleichsprojekte zu einer weiteren Form des Landraubs werden könnten.

Die Maasai fordern ein Ende der gewaltsamen Vertreibungen sowie eine Anerkennung ihrer traditionellen Landrechte und ihres Wissens im Umgang mit Natur und Wildtieren. Das Überleben der Maasai und der Schutz der Artenvielfalt sind untrennbar miteinander verbunden. Die GfbV erneuert ihren Appell an die tansanische Regierung sowie die Frankfurter Zoologische Gesellschaft und die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Rechte der Maasai zu achten und Investitionen zu stoppen, wenn die Einhaltung der Menschenrechte nicht gewährleistet werden kann. Nur durch eine respektvolle Einbindung der indigenen Bevölkerung kann nachhaltiger Naturschutz gelingen.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Laura Mahler unter l.mahler@gfbv.de oder 03051 / 695825-3 oder presse@gfbv.de.

Die Maasai International Solidarity Alliance (MISA) ist ein internationales Bündnis, das sich mit den Maasai im Norden Tansanias solidarisiert. Wir bringen internationale glaubensbasierte Organisationen, Menschenrechtsorganisationen, internationale Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, einzelne Aktivisten, Wissenschaftler, Forscher und Anwälte, die die Maasai in mehreren Landrechtsverfahren vertreten, zusammen. Zu unserem Bündnis gehören unter anderem das Africa Europe Faith Justice Network (AEFJN), Agrecol Association for AgriCulture & Ecology, Coalition of European Lobbies for Eastern African Pastoralism (CELEP), Center for Agroecology, Water and Resilience (CAWR) an der Coventry University (UK), CIDSE – International family of Catholic social justice organisations, Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation (IMPACT), FIAN International, FINAL GOVERNANCE, KOO (Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz), Gesellschaft für bedrohte Völker, Misereor, PINGO's Forum (Pastoralists Indigenous Non-Governmental Organisations), PWC (Pastoral Women's Council), TEST (Traditional Ecosystems Survival Tanzania), UCRT (Ujamaa Community Resource Team) und Welthaus Graz. Unser Hauptziel ist die Beendigung der Menschenrechtsverletzungen an den Maasai im Norden Tansanias.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Pressereferat
Sarah Neumeyer
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.:  +49 551 499 06-21
Fax:  +49 551 580 28
E-Mail:  presse@gfbv.de
 www.gfbv.de
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