Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
TERMINE (ab 9.4.): Nama-Konferenz zur Produktion von grünem Wasserstoff in Namibia für Deutschland: Drohende Zerstörung von Völkermord-Gedenkstätte
- 9.-10.4. Youth Summit der Nama Traditional Leaders Association zu grünem Wasserstoff in Lüderitz/ǃNamiǂNûs, Namibia
- 12.4. Jahrestag des Hornkranz-Massakers: Gedenkveranstaltung auf Shark Island macht auf drohende Zerstörung aufmerksam
- Medienschaffende sind herzlich eingeladen, an beiden Terminen teilzunehmen, um exklusive Einblicke in das Wasserstoffprojekt und die geschichtliche Aufarbeitung zu erhalten.
Etwa 150 junge Nama werden am 9. und 10. April über die Chancen und Risiken der bei Lüderitz/ǃNamiǂNûs* geplanten Wasserstoffproduktion diskutieren. Die Konferenz wird von der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), der offiziellen Vertretung der Nama in Namibia, veranstaltet und von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt. Im Fokus stehen der geplante Bau einer Wasserstoff-Anlage im Tsau||Khaeb-Nationalpark, einem historisch von den Nama bewohntem Gebiet, sowie der geplante Ausbau des Hafens auf der Halbinsel Shark Island, die für die Nama und Ovaherero ein wichtiger Gedenkort an den Völkermord ist. Die Nama fordern in einem 2024 entwickelten Strategiepapier eine Einbeziehung in alle Pläne, die ihr angestammtes Gebiet betreffen.
Bei dem Vorhaben der Firma Hyphen handelt es sich um ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt, an dem auch deutsche Shareholder und Investitionen beteiligt sind. Der Großteil des dort produzierten Wasserstoffs soll nach Deutschland exportiert werden. „Deutschland hat aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit eine besondere Verantwortung. Das Land, auf dem nun großflächige Anlagen für die Wasserstoff-Produktion entstehen sollen, wurde den Nama während der deutschen Kolonialzeit gewaltsam genommen. Die deutsche Bundesregierung sowie die beteiligten deutschen Unternehmen müssen eine Einbeziehung der Nama in Entscheidungen bezüglich der Wasserstoff-Produktion gewährleisten“, fordert Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika.
An der Konferenz werden Vertreter der offiziellen Nama-Führung, Juristen, verschiedene Stakeholder des Hyphen-Wasserstoffprojekts sowie Vertreter der regionalen und nationalen Politik teilnehmen. Neben den sozialen und ökologischen Auswirkungen der Wasserstoffproduktion wird es auch um die Geschichte der Nama und die bis heute andauernden Folgen der deutschen Kolonialherrschaft sowie deren Aufarbeitung gehen.
Shark Island: Drohende Zerstörung eines Gedenkorts an den Völkermord
Bei der jährlich stattfindenden Gedenkveranstaltung auf Shark Island am 12. April wird den Verstorbenen gedacht, die beim Hornkranz-Massaker 1893 von deutschen Soldaten brutal ermordet wurden. In diesem Jahr soll mit einer Menschenkette um die Halbinsel auch auf die drohende Zerstörung von Shark Island durch den geplanten Hafenausbau aufmerksam gemacht werden. Dieser müsste erfolgen, um den grünen Wasserstoff ins Ausland exportieren zu können. Auf Shark Island befand sich während der deutschen Kolonialzeit ein Konzentrationslager, in dem Tausende Nama und Ovaherero starben. Durch die Ausweitung des Hafens würden die bis heute dort vergrabenen menschlichen Gebeine der Ahnen für immer verloren gehen.
Die GfbV wird bei beiden Veranstaltungen vor Ort sein und für Medienanfragen zur Verfügung stehen. Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, schreiben Sie bitte an presse@gfbv.de. Für Presseanfragen steht Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika, unter l.mahler@gfbv.de oder 03051 / 695825-3 zur Verfügung.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker arbeitet seit vielen Jahren mit den Vertretern der Nama und Ovaherero zusammen und setzte sich seit 2001 für die Anerkennung des Genozids an den Ovaherero und Nama durch Deutschland ein. Auf Wunsch der Betroffenen finanzierte die GfbV einen Gedenkstein an den Völkermord auf Shark Island.
* !NamiǂNûs ist der Name der Nama für die Stadt Lüderitz.
Gesellschaft für bedrohte Völker Pressereferat Sarah Neumeyer Postfach 2024 D-37010 Göttingen Tel.: +49 551 499 06-21 Fax: +49 551 580 28 E-Mail: presse@gfbv.de www.gfbv.de Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN und mitwirkendem Status beim Europarat