Alle Storys
Folgen
Keine Story von Atradius Kreditversicherung mehr verpassen.

Atradius Kreditversicherung

China-Geschäft: Zahlungsverzug wird für deutsche Exporteure zum Risiko

Köln (ots)

  • Zahlungsbarometer China: 83 Prozent der befragten Unternehmen berichten von zumindest teilweise verspäteten Zahlungen
  • Qualitäts- und Lieferstreitigkeiten sind die häufigsten Gründe für Zahlungsverzögerungen
  • 56 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende Insolvenzen

Das Zahlungsumfeld in China verschärft sich. Laut aktuellem Atradius-Zahlungsmoralbarometer für China berichten 83 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen von zumindest teilweise verspäteten Zahlungen im B2B-Geschäft. Rund ein Drittel aller Rechnungen ist überfällig. Damit liegt China über dem asiatischen Durchschnitt; nur Taiwan und Indien verzeichnen noch höhere Werte. Für deutsche Unternehmen, die nach China exportieren, steigt dadurch das Risiko offener Forderungen. Denn China bleibt einer der wichtigsten Absatzmärkte der deutschen Exportwirtschaft: 2025 lag das Exportvolumen von Deutschland nach China bei rund 81 Milliarden Euro. "China bleibt einer der wichtigsten Absatzmärkte für die deutsche Exportwirtschaft und ein bedeutender Standort für Direktinvestitionen. Gleichzeitig verlangt das Zahlungsumfeld dort eine andere Risikostrategie als in Europa", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

Qualitäts- und Lieferstreitigkeiten bremsen Zahlungen

Die Gründe dafür liegen vor allem in der besonderen Struktur des chinesischen Zahlungsumfelds. Anders als in vielen europäischen Märkten entstehen Zahlungsverzögerungen in China nicht in erster Linie durch finanzielle Engpässe der Kunden. 55 Prozent der befragten Unternehmen nennen Qualitätsmängel oder abweichende Lieferungen als Ursache für verspätete Zahlungen. Komplexe Zahlungsprozesse (41 Prozent) und Liquiditätsprobleme der Kunden (24 Prozent) spielen dagegen eine geringere Rolle. Klassisches Mahnwesen reicht deshalb häufig nicht aus. "Wer nach China liefert, muss verstehen, dass Streitigkeiten über Qualität und Lieferung dort gezielt genutzt werden können, um Zahlungen zu verzögern", erklärt Frank Liebold. Entsprechend vorsichtig agieren chinesische Unternehmen bei der Vergabe von Handelskrediten. Weniger als 40 Prozent der B2B-Transaktionen erfolgen auf Kreditbasis. Diese Zurückhaltung zeigt sich auch in den Zahlungsbedingungen: Viele Unternehmen setzen konsequent auf kürzere Zahlungsziele, um das eigene Risiko zu begrenzen. Dennoch lassen sich Zahlungsausfälle selbst mit strengen Kontrollen nicht vollständig vermeiden.

Forderungsausfälle über dem regionalen Durchschnitt

Das zeigt sich auch an den Forderungsausfällen: In China melden 21 Prozent der befragten Unternehmen Forderungsausfälle von mehr als fünf Prozent ihres Forderungsbestands. Im asiatischen Durchschnitt liegt dieser Wert bei 12 Prozent. Auffällig ist: Zahlungen werden entweder zügig beglichen oder eskalieren rasch in Ausfälle. Abschreibungen sind dabei häufig mit Rechtsstreitigkeiten verbunden. Eine langsame Alterung von Forderungen, wie sie in europäischen Märkten häufiger vorkommt, spielt in China eine geringere Rolle. Um den Druck auf das Working Capital intern abzufedern, schränken 51 Prozent der chinesischen Unternehmen ihre Investitionen ein, statt den Druck an Lieferanten weiterzugeben. Die hohe Ausfallquote verschärft zugleich den Blick auf die kommenden Monate.

Insolvenzerwartungen bleiben hoch

Denn der Ausblick bleibt angespannt. Für die kommenden Monate erwarten 56 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen steigende Insolvenzen. Weitere 38 Prozent rechnen mit dauerhaft hohen Insolvenzraten. Auch die Gewinnperspektiven trüben sich ein: Mehr Unternehmen in China als im asiatischen Durchschnitt erwarten sinkende Gewinne. Besonders betroffen sind kleinere Firmen mit eingeschränktem Zugang zu externer Finanzierung. Damit wird deutlich, dass Zahlungsrisiken in China nicht nur operativ, sondern auch strategisch anders bewertet werden müssen.

Diese andere Risikologik spiegelt sich auch im Umgang chinesischer Unternehmen mit Absicherung und Zahlungsanreizen wider. "Das chinesische Zahlungsumfeld folgt anderen Regeln als europäische Märkte. Wer dort erfolgreich sein will, muss die lokalen Risikofaktoren und Eigenheiten des Marktes verstehen und seine Strategien entsprechend ausrichten", sagt Frank Liebold. Chinesische Unternehmen nutzen zum Beispiel Frühzahlungsanreize und Kreditversicherungen im regionalen Vergleich überdurchschnittlich häufig, um dem zunehmend angespannten Zahlungsumfeld Rechnung zu tragen. Neben diesen finanzbezogenen Risiken rücken weitere Belastungsfaktoren in den Fokus.

Cybersecurity, Betrug und Geopolitik rücken in den Fokus

Dazu zählen insbesondere Risiken, die das B2B-Zahlungsverhalten in den kommenden zwölf Monaten zusätzlich prägen dürften. Laut den Befragten in China gehören Cybersecurity, Betrug und geopolitische Instabilität zu den drei größten Risiken. Makroökonomische Faktoren wie Konjunkturschwäche oder Inflation, die in europäischen Märkten häufig dominieren, spielen in China dagegen eine geringere Rolle.

Pressekontakt:

Atradius Kreditversicherung
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros

Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: astrid.goldberg@atradius.com

Stefanie Heilken
Pressereferentin
Telefon: +49 (0) 221 2044 -1034
E-Mail: stefanie.heilken@atradius.com

Original-Content von: Atradius Kreditversicherung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Atradius Kreditversicherung
Weitere Storys: Atradius Kreditversicherung
  • 21.07.2026 – 10:00

    Boomer gehen in Rente - und ihr Wissen geht mit

    Köln (ots) - - Atradius-Umfrage: Mehrzahl der Unternehmen stemmt sich mit gezielten Maßnahmen gegen Wissensverlust - Jede fünfte Firma allerdings ohne systematische Strategie zur Sicherung der Kenntnisse ihrer Beschäftigten Deutschlands Boomer gehen mit großen Schritten auf die Rente zu. Bis 2039 erreichen oder überschreiten rund 13,4 Millionen Menschen der Generation der Boomer und Babyboomer das gesetzliche ...

  • 14.07.2026 – 10:00

    Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland sinkt deutlich

    Köln (ots) - - Atradius-Umfrage: 72 Prozent der Unternehmen fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen - Finanzierung wird schwieriger und Lieferketten geraten unter Druck - Unternehmen fordern niedrigere Steuern und stabile Abgaben statt Einmalmaßnahmen Der Vertrauensverlust in die Bundesregierung erfasst zunehmend die Wirtschaft. Laut einer aktuellen ...

  • 08.07.2026 – 10:00

    Motor der deutschen Automobilindustrie stottert gewaltig

    Köln (ots) - - Chinesische Hersteller dominieren den Markt für Elektrofahrzeuge - Insolvenzen und Kapazitätsabbau bei Zulieferern nehmen zu - Politische Schutzmaßnahmen verpuffen, regulatorischer Druck beschleunigt den Strukturwandel Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im tiefgreifendsten Strukturwandel ihrer Geschichte. Während heimische Hersteller mit ...