Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Kinderosteopathie ist ein wertvoller Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems
Osteopathie-Allianz fordert berufsgesetzliche Regelung zum Patienten- und Verbraucherschutz
Wiesbaden (ots)
Mittlerweile haben sich bereits 19 Millionen Deutsche in osteopathische Behandlung begeben - und deren Zufriedenheit mit der Osteopathie ist hoch. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage aus 2024 [1] gaben 75 Prozent an, dass sie zufrieden seien, 55 Prozent waren sogar sehr zufrieden und 87 Prozent würden die Osteopathie weiterempfehlen. Bei Kindern ist dieser Wert noch höher: Über 83 Prozent sind zufrieden mit der kinderosteopathischen Behandlung. Doch was leistet die Kinderosteopathie wirklich?
Kinderosteopathie - wirkungsvoll und belegt
Ende 2022 wurde die bisher größte Übersichtsstudie zur osteopathischen Behandlung von Kindern publiziert. [2] Darin eingeschlossen waren 47 Studien: unter anderem zeigten 23 Studien einen statistisch signifikanten Vorteil für die Osteopathie, bei 15 Studien war ein Vorteil zur Vergleichsgruppe festzustellen, der jedoch nicht statistisch signifikant war.
Im Bereich der Kinderosteopathie gibt es darüber hinaus zum Beispiel bei Schreikindern mehrere Studien, die darauf verweisen, dass die osteopathische Behandlung zu einer Verminderung der täglichen Schreidauer und Schreiintensität führt. [3] Gleichzeitig nimmt die tägliche Schlafdauer des Babys zu. Die Ergebnisse sind statistisch signifikant.
Eine aktuell erschienene Studie im wissenschaftlichen Journal BMC Pediatrics berichtet außerdem, dass die durchgeführten osteopathischen Behandlungen zu statistisch signifikanten und klinisch relevanten positiven Ergebnissen führten, einschließlich positiver Veränderungen der psychischen Belastung von Eltern. [4] "Das ist eine gute Bestätigung osteopathischer Arbeit", so die Sprecherinnen der Osteopathie-Allianz Prof. Marina Fuhrmann, Vorsitzende des Verbands Deutscher Osteopathen e.V. (VOD) und Christine Berek, 1. Vorsitzende des Bundesverbands Osteopathie e.V. (BVO).
"Natürlich und ohne jeden Zweifel wäre es gut, wenn es im Bereich der Kinderosteopathie mehr Studien geben würde. Das Problem ist aber nicht, dass es keine osteopathischen Studien gibt, sondern, dass es angesichts der vielen Indikationen zu wenige gibt. Kurz: Die Situation ist primär gekennzeichnet durch einen Mangel an Studien zur Kinderosteopathie und nicht aber durch einen Mangel an Wirksamkeit", erläutern die beiden Vorsitzenden.
Osteopathie - Wirkung mehrfach belegt
Der Schritt geht jedoch in die richtige Richtung. Immer mehr Studien sowie Übersichtsarbeiten belegen [5-12]: Osteopathie hilft. Vor allem im Bereich des Bewegungsapparates liefert die Osteopathie positive Ergebnisse. So zum Beispiel bei akuten und chronischen Rückenschmerzen, bei chronischen nicht-krebsbedingten Schmerzen wie auch bei Schmerzen im Rücken während und nach der Schwangerschaft. Eine Studie belegte sogar, dass sich die Osteopathie in Kombination mit der Standardversorgung positiv auf die Schmerzlinderung sowie auf die funktionelle Wiederherstellung von Patienten nach einer Herzoperation auswirkte.
Treten Nebenwirkungen bei osteopathischen Behandlungen auf?
Auch das belegen Studien: Nach einer osteopathischen Behandlung treten kaum Nebenwirkungen auf. Die Forscher wiesen damit nach, dass Nebenwirkungen in der Osteopathie seltener vorkommen als bei anderen Verfahren der manuellen Medizin.
Eine Studie aus 2018 [13] belegte zudem, dass Osteopathie kaum Nebenwirkungen hervorruft: Bei knapp 2.000 Patienten kam es bei nur 45 Fällen (ca. 2 Prozent) zu Schmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelkater und Übelkeit - zu ernsteren Symptomen aber nicht. Die Forscher folgerten, dass Nebenwirkungen in der Osteopathie seltener vorkommen als bei anderen Verfahren der manuellen Medizin. Mehr noch: Eine aktuelle Übersichtsarbeit [14] mit rund 4.000 Probanden ergab, dass keine ernsten Nebenwirkungen aufgrund einer osteopathischen Behandlung festzustellen waren und somit die Osteopathie als sicher betrachtet werden kann.
Belastet die Osteopathie das Gesundheitssystem?
Die Osteopathie ist eine Selbstzahler-Leistung. Krankenkassen erstatten nur auf freiwilliger Basis osteopathische Leistungen ganz oder sogar nur teilweise. Nimmt man als Beispiel die Barmer Ersatzkasse mit ihren 8,7 Millionen Mitgliedern, die 2023 860.000 Euro für die osteopathische Behandlung von Neugeborenen ausgegeben hat, kommt man im Vergleich zu den gesamten Leistungsausgaben gerade mal auf 0,0022 Prozent.
Völlig außen vor sind dabei die Folgekosten. So hat die BKK Advita berechnet, wie hoch die Ausgaben für jedes Mitglied vor und nach einer osteopathischen Behandlung waren. [15] Gab es in den letzten sechs Monaten vor der osteopathischen Behandlung Ausgaben von 875 Euro pro Versicherten, beliefen sich die Zahlungen nach der Behandlung auf 703 Euro - und in diesem Betrag sind die Kosten für die Osteopathie bereits eingerechnet. Die Krankenkasse kommt zu dem Schluss, dass sie bei jedem Versicherten, dem sie die Osteopathie bezahlt hat, 20 Prozent an Leistungen eingespart hat.
Unabhängig von den Kosten sollte zudem nicht vergessen werden, dass Eltern, die eine osteopathische Praxis aufsuchen, das Gesundheitssystem nicht weiter überlasten, indem sie lange mit anderen Eltern und kranken Kindern in dem überfüllten Wartezimmer eines Kinderarztes sitzen.
"Nicht nur Umfragen unter Patienten, sondern auch Studien beweisen, dass die Osteopathie ein wertvoller Teil der Integrativen Medizin ist und längst aus dem deutschen Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Es gilt nun, die Osteopathie berufsgesetzlich zu regeln - zur Sicherstellung des Patienten- und Verbraucherschutzes", fordern Prof. Marina Fuhrmann und Christine Berek.
Literatur:
[1] FORSA, Osteopathie in Deutschland. 2024. www.osteopathie.de/forsa_2024
[2] Franke H, Franke JD, Fryer G. Effectiveness of osteopathic manipulative treatment for pediatric conditions: A systematic review. J Bodyw Mov Ther. 2022 Jul;31:113-133. doi: 10.1016/j.jbmt.2022.03.013. Epub 2022 Mar 24. PMID: 35710210.
[3] Franke, H. and G. Prediger, Und die Osteopathie wirkt doch!: Eine Entgegnung zu dem Artikel "Dreimonatskoliken: Alternativmedizin ohne nachgewiesenen Effekt" von Elke Oberhofer. Osteopathische Medizin, 2023. 24(3): p. 42-44.
[4] Schwerla F, Zimmer M, Göpfert J, Laux P, Langenmair S, Rütz M, Resch KL. Osteopathic treatment of infants with infantile colic/excessive crying: a prospective, multicentric, randomized controlled trial and nested observational trial. BMC Pediatr. 2025 Jan 30;25(1):77. doi: 10.1186/s12887-025-05413-1. PMID: 39885436; PMCID: PMC11783941.
[5] Franke H, Franke JD, Fryer G. Osteopathic manipulative treatment for nonspecific low back pain: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 2014 Aug 30;15:286. doi: 10.1186/1471-2474-15-286. PMID: 25175885; PMCID: PMC4159549.
[6] Licciardone, J.C., Brimhall, A.K. & King, L.N. Osteopathic manipulative treatment for low back pain: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BMC Musculoskelet Disord 6, 43 (2005). https://doi.org/10.1186/1471-2474-6-43
[7] Dal Farra F, Risio RG, Vismara L, Bergna A. Effectiveness of osteopathic interventions in chronic non-specific low back pain: A systematic review and meta-analysis. Complement Ther Med. 2021 Jan;56:102616. doi: 10.1016/j.ctim.2020.102616. Epub 2020 Nov 13. PMID: 33197571.
[8] Attali V, Jacq O, Martin K, Arnulf I, Similowski T. Osteopathic Manipulation of the Sphenopalatine Ganglia Versus Sham Manipulation, in Obstructive Sleep Apnoea Syndrom: A Randomised Controlled Trial. Journal of Clinical Medicine. 2022; 11(1):99. https://doi.org/10.3390/jcm11010099
[9] Franke H, Franke JD, Belz S, Fryer G. Osteopathic manipulative treatment for low back and pelvic girdle pain during and after pregnancy: A systematic review and meta-analysis. J Bodyw Mov Ther. 2017 Oct;21(4):752-762. doi: 10.1016/j.jbmt.2017.05.014. Epub 2017 May 31. PMID: 29037623.
[10] Rehman Y, Ferguson H, Bozek A, Blair J, Allison A, Johnston R. Osteopathic Manual Treatment for Pain Severity, Functional Improvement, and Return to Work in Patients With Chronic Pain. J Am Osteopath Assoc. 2020 Dec 1;120(12):888-906. doi: 10.7556/jaoa.2020.128. PMID: 32946545.
[11] Racca, Vittorio & Bordoni, Bruno & Castiglioni, Paolo & Modica, Maddalena & Ferratini, Maurizio. (2017). Osteopathic Manipulative Treatment Improves Heart Surgery Outcomes: A Randomized Controlled Trial. The Annals of Thoracic Surgery. 104. 10.1016/j.athoracsur.2016.09.110.
[12] Bagagiolo D, Rosa D, Borrelli F. Efficacy and safety of osteopathic manipulative treatment: an overview of systematic reviews. BMJ Open. 2022 Apr 12;12(4):e053468. doi: 10.1136/bmjopen-2021-053468. PMID: 35414546; PMCID: PMC9021775.
[13] Degenhardt BF, Johnson JC, Brooks WJ, Norman L. Characterizing Adverse Events Reported Immediately After Osteopathic Manipulative Treatment. J Am Osteopath Assoc. 2018 Mar 1;118(3):141-149. doi: 10.7556/jaoa.2018.033. PMID: 29480914.
[14] Bagagiolo D, Rosa D, Borrelli F. Efficacy and safety of osteopathic manipulative treatment: an overview of systematic reviews. BMJ Open. 2022 Apr 12;12(4):e053468. doi: 10.1136/bmjopen-2021-053468. PMID: 35414546; PMCID: PMC9021775.
[15] BKK-Zahlen stützen Osteopathie. Ärzte Zeitung, 2017. https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/BKK-Zahlen-stuetzen-Osteopathie-307695.html.
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