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WAZ: EU-Gipfel in Brüssel - Ein nützliches Lehrstück - Leitartikel von Knut Pries

Essen (ots)

Die EU ächzt unter der Verantwortung für das Kosovo.
Auf dem Brüsseler Gipfel war in dieser Frage erneut unübersehbar, 
woran die gemeinsame Außenpolitik krankt: daran, dass sie noch längst
nicht so gemeinsam ist, wie es nötig wäre. Die Beschlüsse sind 
Ausdruck eines Kräfteverhältnisses: Die Großen halten den Weg zur 
Unabhängigkeit der serbischen Provinz für unvermeidlich, die Kraft 
der Kleinen reicht nicht zum Fundamentalwiderstand.
Da sollte man auch vom künftigen EU-Vertrag keine Wunder 
erwarten. Er stellt den Regierungen ein besseres Instrumentarium zur 
Verfügung, im Verbund zu agieren. Die Einsicht, dass damit auch den 
nationalen Interessen am besten gedient ist, werden aber auch die 
pfiffigsten Brüsseler Institutionen nur begrenzt fördern können. Sie 
muss in den Hauptstädten wachsen.
Die Gegner einer (einseitig erklärten) Unabhängigkeit des Kosovo 
haben gute Argumente. Die werden nicht dadurch entwertet, dass sie 
mit weniger guten verwoben sind. Stimmt schon - den Russen und dem 
serbischen Ministerpräsidenten Kostunica geht es auch, wenn nicht 
zuvörderst, um Einfluss (Moskau) und Machterhalt (Belgrad). Aber 
unabhängig davon bleibt es eine schwere Belastung, dass der Weg der 
Kosovaren in die Unabhängigkeit mit Verstößen gegen zwei wichtige 
Prinzipien bezahlt werden muss: Der Grundsatz der territorialen 
Integrität, der Unverletzbarkeit der Staatsgebiete, wird verletzt. 
Und zum ersten Mal werden die Binnen-Grenzen des vormaligen 
Jugoslawien revidiert.
Es ist nicht zu leugnen, dass dies anderen einen argumentativen 
Vorwand liefert, ihrerseits das Recht zu reklamieren, aus dem 
bisherigen Staatsverband auszuscheren: den Serben im Norden des 
Kosovo ("Unabhängigkeit von der Unabhängigkeit"), der serbischen 
Teilrepublik im fragilen Gefüge Bosnien-Herzegowina, aber auch 
Separatisten jenseits des alten Tito-Reiches.
Es gibt aber einen fundamentalen Unterschied, den diejenigen gern
übersehen, die vor dem verhängnisvollen "Präzedenzfall Kosovo" 
warnen: Dort hat die albanisch-stämmige Bevölkerungsmehrheit erst 
Kurs auf die völlige Loslösung von Serbien genommen, nachdem sie 
Opfer einer brutalen Unterdrückung geworden war. Den Präzedenzfall 
Kosovo schaffen nicht die USA und die EU, wenn sie jetzt - zum 
größeren Teil mit knirschenden Zähnen - die Sezession der Kosovaren 
mittragen. Den haben Milosevic und seine Mitstreiter zu verantworten.
In diesem Sinne ist die Ablösungskrise Kosovo ein nützliches 
Lehrstück.

Pressekontakt:

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Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-2727
zentralredaktion@waz.de

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