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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur neuen Partei »Die Linke«

Bielefeld (ots)

Deutschland hat eine neue Partei: Aus
Linkspartei.PDS und WASG ist am Samstag »Die Linke« geworden. Und 
Lothar Bisky, der mit dem früheren SPD-Vorsitzenden und 
Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine die Doppelspitze der Linken 
bildet, verspricht: »Wir sind angetreten, die politischen Kräfte hier
im Land und in Europa zu verändern.«
Warum so bescheiden, Herr Bisky? Meine These lautet: Die politischen 
Kräfte in Deutschland haben sich längst verändert. 70000 Mitglieder, 
damit liegt die Linke auf Platz drei hinter Union und SPD, und ein 
von Forsa ermitteltes Wählerpotenzial auf Bundesebene von 24 Prozent 
sprechen für sich.
Zweite These: Die Linke wird sich auch in einer Reihe westlicher 
Bundesländer etablieren. Der alte PDS-Makel, ausschließlich eine 
Partei des Ostens zu sein, ist überwunden. Das ist das Signal des 
jüngsten Wahlerfolges in Bremen. Hinzu kommt, dass es die 
Hauptzielgruppe der Linken, die so genannten 
Modernisierungsverlierer, immer geben wird - egal, wie nachhaltig der
Aufschwung ausfällt. Ob die Programmatik eines »demokratischen 
Sozialismus im 21. Jahrhundert« stichhaltig ist, wird da schnell 
nebensächlich. Protest braucht eine Stimme.
 Dritte These: Zwei-Parteien-Regierungen abseits der Großen Koalition
werden auf Bundesebene kaum noch möglich sein. Egal, wie stark 
CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel auf internationaler Bühne glänzen 
und wie blass der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in der Wahrnehmung der 
Deutschen sein mag. Fakt ist: Seit der Bundestagswahl vom September 
2005 hat es in keiner Umfrage für Schwarz-Gelb oder Rot-Grün zur 
parlamentarischen Mehrheit gereicht. Das Lagerdenken mit einem 
bürgerlichen Block aus Union und FDP und einem linksliberalem Block 
aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen ist überholt.
 Um allein mit der FDP regieren zu können, braucht die Union ein 
Wahlergebnis von 40 Prozent plus X. Das wird zwar jedes Mal als Ziel 
ausgegeben, ist aber zuletzt 1994 in der Ära Kohl (41,5 Prozent) 
erreicht worden. Und für die schon im Herbst 2005 eifrig diskutierte 
Jamaika-Konstellation mit CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen 
fehlt es allen Partnern bisher an ernsthaftem Interesse.
Noch bedrohlicher ist die Situation für die SPD, ist doch die Linke 
Fleisch von ihrem Fleische. Wer die neue Partei allerdings nur als 
Lafontaines persönlichen Rachefeldzug gegen die Sozialdemokraten 
abtun will, greift zu kurz. Die Linke ist auch programmatisch eine 
erntzunehmende Bedrohung. Sie blockiert die Sozialdemokraten bei dem 
Versuch, sich von der Union abzusetzen.
Auf dem Spiel steht für die SPD nicht weniger als der Status der 
Volkspartei. Der ARD-Deutschlandtrend ermittelte am Freitag in der 
Sonntagsfrage einen Wert von 29 Prozent. Wenn die SPD wieder eine 
Bundesregierung führen will, braucht auch sie neue Koalitionsoptionen
- sogar über die Ampel hinaus. Noch wird eine Zusammenarbeit mit der 
Linken kategorisch ausgeschlossen. Spannende Frage: Bleibt es dabei?
55 Prozent der Deutschen sind gegen eine Neuauflage der Großen 
Koalition, hat das Nachrichtenmagazin »Focus« in einer Umfrage 
ermittelt. Sie sollten sich darauf einstellen, dass sich ihr 
Unbehagen fortsetzen könnte. Deutschland hat nicht nur eine neue 
Partei, Deutschland hat ein neues Parteiensystem.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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