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Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland

POL-OL: Präventionshinweis zum Thema Medienkompetenz und -sicherheit

Oldenburg (ots)

"Gossip, Challenges, KI und Influencer Lemminge"...

Wer in den 90er Jahren das ikonische PC-Spiel "Lemmings" gespielt hat, erinnert sicher: kleine, niedliche Wesen, die blindlings ihrem Anführer folgen - selbst dann, wenn es direkt in den Abgrund geht. Ein Sinnbild für gedankenloses Hinterherlaufen - und leider erschreckend passend, wenn man sich die Social-Media-Trends anschaut.

Warum also "Influencer-Lemminge"?

Der Film "Chantal im Märchenland" startet mit der Szene, in der Chantal - ganz "up-to-date" als Influencerin - einen angeblichen Beauty-Hack ausprobiert und sich die Lippen mit Sekundenkleber verklebt. Absurd? Leider nein. Solche "Challenges" sind längst Teil des Alltags vieler Jugendlicher - mit realen Konsequenzen.

Immer wieder sorgen Influencer dafür, dass Kinder und Jugendliche Dinge ausprobieren, kaufen oder glauben, die sie sonst hinterfragt hätten. Wie soll man glaubwürdig vor dem Konsum von Drogen warnen, wenn ein bekannter Deutschrapper in seinen Videos genüsslich "Lean" schlürft, ein gefährlicher Mix aus verschreibungspflichtigem Hustensaft, Limo und Süßigkeiten? Oder wenn Lachgas als spaßiges High beworben und Kiffen nur ursächlich für harmlose Vergesslichkeit abgetan wird? Und wenn der Knast am Ende gar nicht abschreckend wirkt, sondern fast schon wie ein Karriereschritt verkauft wird?

Solche Narrative machen es schwer, präventiv gegenzusteuern - besonders, wenn selbst strafrechtliche Konsequenzen als "cool" gelten oder gar romantisiert werden. Die Idee, dass Haft dem Täter helfen soll, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen und künftig ohne Straftaten zu leben, wird völlig ins Gegenteil verkehrt.

Natürlich gibt es auch Influencer, die positive Werte vermitteln - gesunde Ernährung, soziales Engagement, Achtsamkeit. Doch ihr Einfluss wird häufig von jenen überlagert, die lauter, greller und provokanter sind. Und oft wird die Meinung eines "TikTok-Stars" eher akzeptiert als die der eigenen Eltern oder Lehrkräfte. Statt auf Erfahrung wird lieber auf den Algorithmus, Chatbots oder das Reddit-Kollektiv gehört.

Diese "digitale Autorität" ist nicht ungefährlich - vor allem dann nicht, wenn die Quellen manipulierbar sind. Denn wer Einfluss auf künstliche Intelligenz oder digitale Meinungsmacher gewinnt, kann auch politische und kulturelle Strömungen lenken - subtil, aber wirkungsvoll.

Ein besonders alarmierendes Beispiel: die sogenannten "Challenges". Manche sind harmlos, spaßig oder für einen guten Zweck gedacht. Andere jedoch gefährlich oder schlicht kriminell. So etwa der "TikTok-Trend", Amokdrohungen an Schulen zu verbreiten. Was vielleicht als "mutiger Streich" beginnt, ist in Wahrheit eine ernste Straftat - mit realen Konsequenzen: Polizeieinsätze, Kosten, Anzeigen und Schadensersatzforderungen.

Auch der Pilotentest, eine Situation, in der man sich durch Sauerstoffmangel möglichst nah an den Rand einer Ohnmacht bringt, ist kein Spaß. Spätestens, wenn jemand verletzt wird - ob körperlich oder seelisch - hört der Spaß endgültig auf.

Ein weiteres Phänomen: Gossip-Seiten an Schulen. Dort werden über Schüler:innen "anonym" Gerüchte, Kommentare und Beleidigungen veröffentlicht - oft ohne Name, aber mit Initialen, Kleidung und Beschreibungen, die schnell für Klarheit sorgen, wer gemeint ist. Vielen ist nicht bewusst, dass sie sich damit strafbar machen - wegen Beleidigung, Verleumdung oder übler Nachrede. Die Folgen können dann eine Strafanzeige, die Beschlagnahme des Smartphones, angeordnete Sozialstunden und Entschädigungszahlungen sein.

Eltern und Erziehende haben es schwer, mit dieser sich rasch schnell entwickelnden Medienwelt Schritt zu halten - das ist menschlich. Niemand kann 24/7 neben dem Kind sitzen und soll dies auch gar nicht. Alle Trends zu kennen, ist einfach illusorisch! Umso wichtiger ist es, dass Kinder und Jugendliche lernen, eigenständig zu reflektieren, zu hinterfragen und sich nicht jeder Meinung anzuschließen - egal ob aus dem Netz, dem Freundeskreis oder von einem Chatbot.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation - also bewusstes Entscheiden, was einem selbst und anderen guttut - ist dabei die zentrale Aufgabe. Und genau das muss das gemeinsame Ziel sein: Eltern, Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter:innen, Betreuer:innen in Jugendzentren, Ehrenamtliche in Vereinen - alle, die mit jungen Menschen arbeiten, müssen helfen, diese Kompetenzen zu stärken.

Denn Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung: Was ist gesund - körperlich und psychisch? Was bedeutet Bildung für meine Zukunft? Was ist soziale Teilhabe - und was Zivilcourage? Und: Wie funktioniert kritisches Denken in einer Demokratie?

Nicht alles ist schwarz oder weiß - manches liegt im Graubereich. Doch nur wer gelernt hat, selbständig zu denken, kann zwischen Realität und Fake unterscheiden - und sich nicht wie ein "Lemming" in den Abgrund führen lassen.

Verfasser/Ansprechpartner:

PHK Dähnenkamp

Sachbereich Prävention

Polizeikommissariat Westerstede

Telefon: 04488/833-124

Rückfragen bitte an:

Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland
Pressestelle
Telefon: 0441/790-4004
E-Mail: pressestelle@pi-ol.polizei.niedersachsen.de
https://bit.ly/2tdxQao


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