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Mobile Payment: Banken reagieren schneller als bei paydirekt

Hamburg, 4. Oktober 2018 - Vier von zehn Banken in Deutschland (46 Prozent) fühlen sich von neuen Zahlungsdiensten für Internet und Mobilfunk bedroht. Jedes zweite Institut bietet deshalb mittlerweile Mobile Payment an, das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone. Jedes Dritte will kurz- bis mittelfristig mit einer Lösung nachziehen. Damit reagiert der Bankensektor schneller als beim Internetbezahldienst paydirekt im Jahr 2015. Zudem gehen viele Institute diesmal anders mit dem drohenden Wettbewerb um. Das sind Ergebnisse des "Branchenkompass Banking 2018" von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut.

Die Mobile-Payment-Strategien in der Bankenbranche sind uneinheitlich. Viele Banken integrieren die Apps der großen Tech-Marken Google und Apple. Die Mehrheit startet mit einer Kooperation mit Google Pay, das Angebot von Apple Pay mit einer hinterlegten Kreditkarte soll später folgen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken wiederum bieten eigene technische Lösungen, die sie in ihre Mobile-Banking-Apps integrieren. Kunden der beiden Bankenorganisationen können zudem auch ihre Girokarten-Daten auf den Smartphone-Apps hinterlegen und damit bezahlen. Der Mobile-Payment-Weg der Sparkassen mit einer eigenen Lösung ist nachvollziehbar. Die Sparkassen-Finanzgruppe testet seit 2012 neue Verfahren im Mobile Payment auf Basis von Near Field Communication (NFC) - zunächst mit Funkchips auf den Bankkarten. Diese frühen Erfahrungen kommen den Sparkassen jetzt zugute.

Die Banken, die nun Google Pay und bald Apple Pay integrieren, haben ihrerseits aus der schwierigen paydirekt-Entwicklung mit 40 beteiligten Instituten und vielen unterschiedlichen Interessen gelernt. "Sie wissen, dass ihre Kunden diese Bezahl-Apps nachfragen werden und dass sie keinen eigenen derart breit akzeptierten Standard in kurzer Zeit entwickeln werden", sagt Meicel Bock, Experte für Mobile Payment von Sopra Steria Consulting. Die kooperierenden Institute setzen stattdessen bewusst auf die Markenbekanntheit von Google und Apple, damit sich kontaktloses Bezahlen per Smartphone etabliert. Sie wollen um die Technologie herum eigene Bankdienste anbieten und setzen auf ihre Kernkompetenzen. Das zeigt auch die Studie: Service- und Beratungsqualität sind für 70 Prozent der Banken die strategischen Säulen und wichtiger als die technologische Vorreiterrolle.

"Diese Institute wissen, dass sie technologisch zeitgemäße Zahlungsinstrumente anbieten müssen - was wiederum auch ihre Reputation als Kontoanbieter und Berater in Finanzfragen stützt. Die Banken fürchten deshalb nicht, den Draht zum Kunden zu verlieren, selbst wenn die direkte Sichtbarkeit der Bank- oder Kreditkarte an der Ladenkasse verloren geht. Aber das ist beim Bargeld nicht anders: Auf den Scheinen und Münzen ist auch nicht die Bank vermerkt, von der das Geld stammt", so Bock.

Neobanken gefährlicher als GAFA und Wirecard

Gefährlicher wird es erst, wenn Zahlungsdiensteanbieter selbst Bank werden, Konto und Finanzberatung anbieten und damit Vertrauen beim Kunden aufbauen. Die großen Internetmarken Google und Apple meiden derzeit die regulatorischen Fesseln, die ihnen mit einer Banklizenz angelegt werden. Auch Wirecard, seit 24. September im Deutschen Aktienindex DAX vertreten und seit 2006 mit einer Banklizenz ausgestattet, positioniert sich aktuell eher als Dienstleister rund um den elektronischen Zahlungsverkehr. Bis sich das ändert, fühlen sich 44 Prozent der Banken und Sparkassen auch stärker von Neobanken wie N26 bedroht als von den großen Tech-Unternehmen.

Über die Studie:

Im Frühjahr 2018 führte das Marktforschungsinstitut Research Now im Auftrag von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut eine Befragung von 109 Fach- und Führungskräften von Banken mit Bilanzsummen über 500 Millionen Euro durch. Als Befragungsmethode wurde CAWI (Computer Assisted Web Interviewing) eingesetzt. Teil der Studienergebnisse sind zudem vier vertiefende Interviews mit Entscheidern aus Banken und Sparkassen, dazugehörigen IT-Unternehmen sowie mit Stefan Lamprecht, Mitglied der Geschäftsleitung von Sopra Steria Consulting, über Einschätzungen und Standpunkte zur Lage und Zukunft der Bankenbranche.

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