Große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt grundlegende Reformen im Gesundheitssystem
Berlin/Stuttgart/Gütersloh (ots)
Patientinnen und Patienten flexibler und alltagsnäher versorgen, Zugänge besser steuern, Ärztinnen und Ärzte durch Aufgabenteilung entlasten, Prozesse mit digitalen Hilfsmitteln beschleunigen: Für den notwendigen Umbau des deutschen Gesundheitssystems liegen vielversprechende Konzepte auf dem Tisch. Eine neue Umfrage zeigt, dass die Zustimmung der Bevölkerung zu strukturellen Veränderungen hoch ist. Das bedeutet Rückenwind für die Politik, um die Reformen voranzutreiben.
Die öffentliche Debatte über Gesundheitsreformen wurde zuletzt in erster Linie von kurzfristig wirksamen Sparvorschlägen bestimmt. Dabei kommt dem strukturellen, langfristig angelegten Umbau der Gesundheitsversorgung eine viel größere Bedeutung zu. Für die Politik dürfte es daher eine gute Nachricht sein, dass die Reformbereitschaft in der Bevölkerung hoch ist: Neun von zehn Personen halten grundlegende Veränderungen im Gesundheitssystem für sehr oder eher notwendig. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Bosch Health Campus und der Bertelsmann Stiftung unter dem Dach des Health Transformation Hub hervor.
Die Menschen befürworten neue Versorgungsangebote, die sich flexibler in ihren Lebensalltag integrieren lassen, den Zugang besser steuern, Fachkräfte entlasten und ihre gesundheitlichen Anliegen zielgerichtet adressieren. Die Offenheit für eine angemessene Versorgung, die auf der jeweils niedrigstmöglichen Ebene ansetzt, ist groß: So sprechen sich 71 Prozent für das Prinzip "Hausarzt vor Facharzt" und 63 Prozent für den Vorrang von ambulanten vor stationären Operationen aus, wenn das medizinisch möglich ist. Viele Befragte wünschen sich eine Gesundheitsversorgung, die zu ihnen kommt. Das spiegelt sich in der hohen Zustimmung für mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden (79 Prozent) sowie für Vorsorgemaßnahmen in Alltagseinrichtungen (77 Prozent). Gesundheitszentren als Alternative zur klassischen Arztpraxis würde die Mehrheit auch bei längeren Anfahrtswegen akzeptieren, wenn dadurch die Versorgung gesichert wäre.
Offen für eine größere Aufgabenteilung in den Arztpraxen
Die Befragten zeigen sich zudem offen für eine größere Aufgabenteilung, in der geschultes Praxispersonal bestimmte, bislang von Ärztinnen und Ärzten ausgeführte Tätigkeiten übernimmt: Für 61 bzw. 77 Prozent spielt es keine Rolle, wer Symptome abklärt, wenn es schnell geht, und eine Behandlung durchführt, wenn sie gut ist. Beim Einsatz digitaler Elemente fällt das Bild gemischt aus: Während die Mehrheit der Befragten Telefon- oder Videosprechstunden sowie künstliche Intelligenz (KI) zur Analyse von Gesundheitsdaten begrüßt, sehen sie eine KI-gestützte Einschätzung von Krankheitssymptomen überwiegend skeptisch.
Hohe Reformbereitschaft über Partei- und Altersgrenzen hinweg
Bemerkenswert ist, dass die Zustimmung keine Frage der Parteipräferenz zu sein scheint. So erachten die Befragten Gesundheitsreformen grundsätzlich als notwendig, unabhängig vom jeweiligen politischen Lager. Die Reformbereitschaft ist auch über alle Altersgruppen hinweg vorhanden, wobei die jüngeren Befragten den Einsatz digitaler Lösungen erwartbar positiver bewerten als die älteren. Eine breite Unterstützung wäre also voraussichtlich vorhanden.
"Das Gesundheitssystem ist ein zentraler Pfeiler eines funktionierenden Staatswesens - der jedoch immer mehr bröckelt. Wir brauchen dringend umfassende Reformen, damit die Gesundheitsversorgung auch unter schwierigeren Rahmenbedingungen leistungsfähig, patientenzentriert und in der Fläche verfügbar ist. Die gute Nachricht lautet, dass die Bürgerinnen und Bürger dazu bereit sind. Für die Politik darf es nun keine Ausreden mehr geben", sagt Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.
"Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung wird nur mit einer belastbaren Primärversorgung funktionieren, die nah bei den Menschen ist. Dafür müssen ärztliche, pflegerische, therapeutische und soziale Berufsgruppen stärker als Teams zusammenarbeiten. Dass ein Großteil der Bevölkerung offen dafür ist, sich in entsprechenden multiprofessionellen Gesundheitszentren behandeln zu lassen, sollte die Politik als positiven Impuls nehmen, die Primärversorgung jetzt umzubauen", sagt Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus.
Bevölkerung sieht Abwärtstrend - Politik sollte Gelegenheit für mutige Reformen nutzen
Die Ergebnisse lassen auch Rückschlüsse auf die Gründe für die hohe Reformbereitschaft zu. Zwar gaben rund zwei Drittel der Befragten an, mit dem deutschen Gesundheitssystem insgesamt zufrieden zu sein. Allerdings erwarten fast genauso viele, dass sich die Zustände innerhalb der nächsten fünf Jahre verschlechtern. Zudem äußert die Hälfte der Befragten den Eindruck, dass sich das System in den vergangenen fünf Jahren bereits verschlechtert habe.
Aus Sicht der Bertelsmann Stiftung und des Bosch Health Campus sollte die Politik die Reformbereitschaft jetzt nutzen, um das Gesundheitssystem durch mutige Veränderungen zukunftsfest zu machen. Passenderweise hat das Bundesgesundheitsministerium die unabhängige Finanzkommission Gesundheit damit beauftragt, bis Ende 2026 Vorschläge für strukturelle, langfristig wirksame Verbesserungen der Versorgung vorzulegen. Wie eine moderne Gesundheitsversorgung konkret gelingen kann, zeigen erfolgreiche Modellprojekte von der Ostsee bis zum Schwarzwald, zu finden auf der Website des Health Transformation Hub.
Zusatzinformationen:
Für die Studie wurden 2.301 Personen ab 18 Jahren in Privathaushalten per Zufallsstichprobe ermittelt und mittels einer computergestützten Telefonbefragung (CATI) im Zeitraum vom 3. Februar bis 3. März 2026 interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ und können für die erwachsene, deutschsprachige Bevölkerung verallgemeinert werden.
Weiterführende Informationen:
Presse - Health Transformation Hub
Über den Health Transformation Hub
Der Health Transformation Hub (HTH) ist eine Plattform für Akteure des Gesundheitssystems, die die Gesundheitsversorgung in Deutschland durch aktives Handeln verbessern wollen - und können. Gemeinsam werden praxisnahe Lösungen entwickelt und in die Umsetzung gebracht. Der HTH ist eine Kooperation der Bertelsmann Stiftung und ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft BSt Gesundheit gGmbH.
Mehr erfahren: www.healthtransformationhub.de
Über den Bosch Health Campus
Der Bosch Health Campus vereint alle Institutionen und Förderaktivitäten der Robert Bosch Stiftung im Bereich Gesundheit mit den vier Bereichen Behandeln, Forschen, Bilden und Fördern. Mit seinen interdisziplinär vernetzten Einrichtungen und mehr als 3600 Mitarbeitenden hat es sich der Bosch Health Campus zur Aufgabe gemacht, innovative Lösungen für die großen Herausforderungen des Gesundheitswesens anzubieten.
Mehr erfahren: www.bosch-health-campus.de
Über die Bertelsmann Stiftung: Menschen bewegen. Zukunft gestalten.
Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, dass alle an der Gesellschaft teilhaben können - politisch, wirtschaftlich und kulturell. Unsere Programme: Bildung und Next Generation, Demokratie und Zusammenhalt, Digitalisierung und Gemeinwohl, Europas Zukunft, Gesundheit, Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft. Dabei stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt. Denn die Menschen sind es, die die Welt bewegen, verändern und besser machen können. Dafür erschließen wir Wissen, vermitteln Kompetenzen und erarbeiten Lösungen. Die gemeinnützige Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet.
Weitere Informationen: www.bertelsmann-stiftung.de
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