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Die Uhr tickt, Kommentar zur Deutschen Telekom von Heidi Rohde

Frankfurt (ots)

Die Deutsche Telekom macht "keine schlechten Deals", wie Konzernchef Tim Höttges gern betont. Sie lässt sich deshalb bei wichtigen Transaktionen wie beispielsweise der milliardenschweren Verwertung ihrer Funkturmgesellschaft gerne etwas mehr Zeit, um nicht nur den besten Preis, sondern auch die beste Struktur zu finden. Letztere ist nicht zu unterschätzen, wenn man auch die perspektivische Attraktivität dieser Assets in Betracht zieht, die vor allem dann ins Auge fällt, wenn man das lukrative Geschäftsmodell von US-Tower-Gesellschaften, die noch deutlich weiter entwickelt sind als ihre europäischen Konkurrenten, anschaut.

In diesem Fall tickt für die Telekom jedoch die Uhr. Denn für die Aufstockung bei ihrer wichtigsten Tochter T-Mobile US sind auch nach dem jüngsten Schritt, der die Telekom der Mehrheitsschwelle näher bringt, noch einige Milliarden fällig. Und die eleganteste Möglichkeit, diese aufzubringen, besteht zweifellos in der Generierung von Sondererlösen. Mit solchen wurde auch der just erfolgte Erwerb von weiteren 21,2 Millionen T-Mobile-US-Aktien aus dem Besitz von Softbank finanziert. Das Geld stammt aus dem Verkauf von T-Mobile NL.

Spielräume beim Fremdkapital hat die Telekom angesichts einer Nettoverschuldung von 132 Mrd. Euro keine. Und den üppigen Vorratsbeschluss über 30 Prozent des Grundkapitals, den die jüngste Hauptversammlung gefasst hat, kann sie auch nicht dafür ausschöpfen. Das würde den Streubesitz auf die Palme bringen.

Zwar hat die Telekom gemäß ihrer Vereinbarungen mit Softbank noch bis Juni 2024 Zeit, weitere Aktienpakete in flexiblen Call-Optionen zu erwerben, aber ein deutlicher Kursanstieg der T-Mobile-US-Aktie würde den Kauf teuer machen - selbst wenn für einen Teil noch ein Festpreis gilt. Die Aktie der US-Tochter hat seit einem Tief im Januar bereits rund 30 Prozent gewonnen. Angesichts des Integrationsfortschritts im Merger mit Sprint dürften die absehbaren operativen Erfolge den Kurs weiter in die Höhe treiben.

Dies gemahnt etwas zur Eile, zumal die Telekom beim Einsatz von Sondererlösen für den T-Mobile-Anteilserwerb die Möglichkeit hätte, doch am geplanten Aktienrückkaufprogramm der Tochter teilzunehmen. Dies wäre wiederum eine elegante Art, sich als Großaktionärin eine steuerfreie "Ausschüttung" zukommen zu lassen, die an die T-Aktionäre weitergegeben werden könnte. Die murren ohnehin vernehmlich, weil sich die angekündigten milliardenschweren Cashflows der US-Tochter in der Dividende bisher nicht wiederfinden.

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