Schwere Kinderrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo verdreifacht | UNICEF
Schwere Kinderrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo verdreifacht
Kinder zahlen höchsten Preis für Gewalt
Goma/Köln, den 27. Februar 2025
UNICEF ist zutiefst besorgt über die erhebliche Zunahme schwerer Kinderrechtsverletzungen im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Seit der jüngsten Eskalation der Gewalt am 24. Januar 2025 hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle verdreifacht. Zu den schweren Kinderrechtsverletzungen gehören Tötungen und Verstümmelungen, sexualisierte Gewalt, Angriffe auf Einrichtungen für Kinder wie Schulen oder Gesundheitsstationen, Entführungen sowie die Rekrutierung für den Kampf und andere Dienste in bewaffneten Gruppierungen.
Den Daten zufolge hat sich die Zahl der Fälle sexualisierter Gewalt im vergangenen Monat auf mehr als das Zweieinhalbfache erhöht. Entführungen stiegen auf das Sechsfache, Tötungen und Verstümmelungen auf das Siebenfache und Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser auf das Zwölffache.
„Wir appellieren dringend an alle Konfliktparteien, diese entsetzlichen, schweren Kinderrechtsverletzungen sofort einzustellen“, sagte Jean-François Basse, UNICEF-Leiter in der Demokratischen Republik Kongo. „Der Konflikt reißt Familien auseinander, führt zu weit verbreiteter Unsicherheit und untergräbt die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte. Gefährdete Kinder, einschließlich derjenigen, die auf der Straße leben, berichten uns, dass sie um ihr Leben fürchten.“
Die Eskalation der Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat zum Zusammenbruch der Grundversorgung geführt. Tausende von Schulen wurden geschlossen und Kinder von ihren Familien getrennt. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage, den schweren Kämpfen, dem Fehlen von Recht und Ordnung und der weiten Verbreitung von Waffen sind Kinder besonders gefährdet.
UNICEF ist zudem sehr besorgt über Berichte von Massenrekrutierungen durch Konfliktparteien, die auf junge Menschen abzielen. Dadurch steigt das Risiko von Entführungen und dem Einsatz von Kindersoldat*innen erheblich. Bereits jetzt verzeichnet die Demokratische Republik Kongo eine der höchsten Zahlen an verifizierten Fällen der Rekrutierung von Kindern in Konflikten seit Beginn der weltweiten Dokumentation des Einsatzes von Kindersoldat*innen im Jahr 2005.
Die Vereinten Nationen arbeiten im Rahmen eines 2012 unterzeichneten Aktionsplans mit der Regierung der Demokratischen Republik Kongo zusammen, um die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern in bewaffneten Gruppierungen sowie andere schwere Kinderrechtsverletzungen, einschließlich sexualisierter Gewalt, zu beenden. Seit Januar 2025 haben UNICEF und seine Partner 5.639 potenzielle Fälle von Kinderrekrutierungen überprüft – darunter 302 Frauen und Mädchen. 63 Kinder, darunter 12 Mädchen, wurden identifiziert und mit ihren Familien zusammengeführt.
Auch unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder sind besonders gefährdet. UNICEF hilft dabei, sie wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. Seit der jüngsten Eskalation der Gewalt wurden 1.200 Kinder identifiziert, von denen 720 wieder mit ihren Familien vereint wurden. Die verbleibenden Kinder werden zu ihrem Schutz in Pflegefamilien untergebracht, bis ihre Familien gefunden sind.
UNICEF appelliert an alle Konfliktparteien, die schweren Verletzungen der Kinderrechte unverzüglich zu beenden und zu verhindern. Das Völkerrecht sollte im Einklang mit der UN-Kinderrechtskonvention und der Afrikanischen Charta über die Rechte und das Wohlergehen des Kindes respektiert werden. Die Konfliktparteien sollten konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Zivilbevölkerung sowie zivile Einrichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht zu schützen.
„Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie diese entsetzliche Gewalt weitergeht. Auch die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn der Kreislauf der Straflosigkeit im Hinblick auf schwere Kinderrechtsverletzungen beendet werden soll“, sagte Basse.
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Pressekontakt: UNICEF Deutschland, Christine Kahmann, Sprecherin, 0221/93650-315 oder 0159 04139723, presse@unicef.de
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