NOMOS Glashütte/SA Roland Schwertner KG
Ärzte ohne Grenzen Deutschland: "Für uns ist zentral, dass die Anteilnahme an den Nöten in der Welt nicht zurückgeht."
Glashütte (ots)
Anlässlich der diesjährigen NOMOS-Sonderedition mechanischer Uhren für die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat NOMOS Glashütte mit Geschäftsführer Christian Katzer gesprochen. Im Interview berichtete er über dringende Kriseneinsätze in oft übersehenen Regionen, die Herausforderung einer Triage in nur 30 Sekunden und darüber, wie Unternehmen die Arbeit der Organisation sinnvoll unterstützen können.
Herr Katzer, Ärzte ohne Grenzen leistet weltweit Nothilfe in Krisenregionen. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Bedarf?
Ich denke zum Beispiel an die Menschen im Sudan. Dort herrscht seit April 2023 Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces. Täglich fallen Bomben, die Menschen leben auf der Flucht, haben kaum Nahrung. Elf Millionen Menschen wurden durch die Gewalt vertrieben - das entspricht ungefähr der Bevölkerung Griechenlands. Vor allem Kleinkinder schweben permanent in Lebensgefahr - und doch bekommen wir in Europa kaum etwas von dieser Krise mit.
Ärzte ohne Grenzen ist mit mehr als 1.700 Mitarbeitenden im Sudan im Einsatz, wir sorgen für medizinische und psychologische Hilfe, für Trinkwasser, Nahrung und Hilfsgüter. Zudem sind viele Menschen aus dem Sudan in den Tschad und in den Südsudan geflohen. Auch dort sind unsere Teams aktiv und versorgen die Geflüchteten. Es liegt mir sehr am Herzen, dass diese Krise mehr Aufmerksamkeit erhält - es muss viel mehr getan werden.
Spenden ohne Zweckbindung ermöglichen es Ihrer Organisation, schnell und flexibel genau dort zu helfen, wo die Not am größten ist. Können Sie ein aktuelles Beispiel nennen, in dem diese Mittel einen entscheidenden Unterschied gemacht haben?
Uns allen sind die Bilder aus dem Gazastreifen sicherlich im Kopf. Von Kriegsbeginn bis Ende des vergangenen Jahres haben unsere Teams fast eine halbe Million ambulante medizinische Untersuchungen geleistet und nahezu zehntausend chirurgische Eingriffe durchgeführt. Wir haben psychologische Ersthilfe angeboten, Geburten begleitet und vieles mehr. Der Bedarf war immens, doch nur wenige Organisationen leisteten Hilfe vor Ort. Mit Mitteln, die nicht an einen bestimmten Zweck gebunden waren, konnten wir flexibel auf die Anforderungen reagieren. Die derzeitige Waffenruhe ermöglicht, dass jetzt mehr Hilfslieferungen den Gazastreifen erreichen - aber sie muss dauerhaft und stabil sein. Die Menschen brauchen die Chance, ihr Leben wieder aufzubauen.
NOMOS Glashütte unterstützt Ärzte ohne Grenzen seit über zehn Jahren mit limitierten Uhreneditionen. Welche Bedeutung hat eine so langfristige Partnerschaft für Ihre Arbeit?
Wir müssen stets zweigleisig planen: Zum einen denken wir langfristig und überlegen, was wir mit welchem Budget in unseren bestehenden Projekten erreichen wollen. Zum anderen müssen wir auf akute Notlagen vorbereitet sein - auch finanziell. Die langjährige Partnerschaft mit NOMOS hilft uns, für beide Vorhaben Kapazitäten zur Verfügung zu haben. Besonders schön ist, dass eine solche Partnerschaft auch gemeinsame Werte unterstreicht und nach außen trägt. So können wir ein Bewusstsein für humanitäre Themen in unserer Gesellschaft stärken und auch andere Menschen davon überzeugen, unsere weltweite Arbeit zu unterstützen.
Die Sondereditionen von NOMOS tragen eine rote Zwölf auf dem Zifferblatt als Symbol für den Einsatz in humanitären Notlagen. Welche Rolle spielt die Zeit in der medizinischen Nothilfe?
Zeit spielt eine entscheidende Rolle, wenn Menschen in Not geraten sind. Innerhalb von 72 Stunden sind wir an jedem Krisenort weltweit und starten einen Noteinsatz mit Fachkräften, Ausrüstung und Medikamenten. Dazu haben wir über die Jahre ein Logistiksystem entwickelt - mit fertig gepackten und bereits zollabgefertigten Notfallkisten. Für unsere Mediziner*innen ist Zeit ebenfalls sehr wichtig. In Situationen, in denen viele Verletzte gleichzeitig in einer unserer Kliniken eintreffen, müssen sie eine sogenannte Triage machen: eine schnelle Einschätzung der Dringlichkeit einer Behandlung jeder Person. Dafür haben sie jeweils rund 30 Sekunden Zeit. Denn eine sofortige medizinische Behandlung kann für unsere Patient*innen lebensentscheidend sein: etwa bei Notoperationen. Doch zwei Drittel der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu chirurgischer Hilfe. Das ist für mich nicht hinnehmbar, und unsere Teams geben jeden Tag ihr Bestes, um das zu ändern. Und da ist Zeit natürlich auch Geld oder andersherum: Mit 169 Euro können wir zum Beispiel die Medikamente und das Material für eine Operation bereitstellen.
Was möchten Sie Menschen oder auch Unternehmen mitgeben, die sich fragen, wie sie Ärzte ohne Grenzen - neben dem Kauf eines Uhren-Sondermodells zu deren Gunsten - sinnvoll unterstützen können?
Unternehmen können Geld spenden, vielleicht sogar gemeinsam mit den Mitarbeitenden eine Spendenaktion initiieren. Auf diese Weise kommen nicht nur mehr Mittel zusammen, sondern es werden auch mehr Menschen über die Lage in Krisen wie die im Sudan informiert. Zudem können Firmen ihre öffentlichen Kommunikationskanäle nutzen, um auf kaum beachtete Krisenregionen aufmerksam zu machen. Ärzte ohne Grenzen verwendet zum Beispiel den Hashtag #TalkAboutSudan, um in sozialen Medien auf die Not im Sudan hinzuweisen.
Für uns ist zentral, dass die Anteilnahme an den Nöten in der Welt nicht zurückgeht. In den vergangenen Jahren waren etwa der Krieg in der Ukraine, die Covid-19-Pandemie oder die schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien Ereignisse, auf die die Menschen mit großer Unterstützung reagierten. Wenn wir angesichts der aktuellen großen Krisen - wie den Kriegen im Gazastreifen und im Sudan oder auch den immer deutlicher spürbar werdenden Folgen der Klimakrise - die Solidarität gemeinsam aufrechterhalten und stärken können, wäre das großartig.
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