hr zeigt Doku "Sommer, Sonne, Hakenkreuz" im Ersten
Frankfurt am Main (ots)
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlägt es zahlreiche Nationalsozialisten nach Spanien. Hier können sie von dem nazifreundlichen Diktator Franco unbehelligt eine neue Existenz aufbauen. Dieses wenig beleuchtete Kapitel deutsch-spanischer Geschichte zeigt der Film "Sommer, Sonne, Hakenkreuz" in der Reihe "ARD History", der am Montag, 27. Juli, um 22.50 Uhr vom Hessischen Rundfunk (hr) im Ersten ausgestrahlt wird.
"Spanien ist anders!" Mit diesem Slogan wirbt das Land unter Diktator Franco in den 1950er-Jahren um ausländische Touristen. Spanien wird zum Sehnsuchtsort für Millionen Deutsche, denen das Wirtschaftswunder gerade Geld in die Taschen spült. Eine kleine Flucht aus dem grauen Nachkriegs-Alltag - der Traum vom bezahlbaren Urlaubsparadies wird in Werbekampagnen geschickt mit Flamenco-Kitsch angefüttert. Doch hinter Spaniens Aufstieg zum Touristenmagnet verbirgt sich ein fast unbekanntes Kapitel deutsch-spanischer Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg finden dort Tausende ehemalige Nationalsozialisten Zuflucht. Diktator Franco hat keine Berührungsängste: Schließlich ist er Jahre zuvor auch dank der Unterstützung Hitlers an die Macht gekommen. Hier entkommen die Nazis der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit und schaffen den Neuanfang.
Einige hochrangige NS-Persönlichkeiten werden zu erfolgreichen Tourismus-Pionieren. Sie wissen, wie man die deutsche Nachkriegsseele streichelt, sie investieren in Hotels und Ferienanlagen, sie erschließen Grundstücke und werben offen um deutsche Spanienreisende. Sie steigen zu politischen Strippenziehern auf, vernetzen sich mit rechtskonservativen Kreisen in Westdeutschland und schaffen es, im Hintergrund die Beziehungen zwischen Franco-Spanien und der Bundesrepublik mitzubestimmen. Dabei halten nicht wenige von ihnen - im Schutz von Francos Regime - an alten Denkmustern fest und führen ein oft bizarres Eigenleben: ein jährliches Sommerfest in SS-Uniformen, Träume vom Aufbau einer antikommunistischen Miliz, dubiose Deals mit faschistischen Franco-Ministern.
"Sommer, Sonne, Hakenkreuz" zeigt erstmals, wie eng die Geschichte deutscher Altnazis mit der Entwicklung bekannter spanischer Ferienregionen verbunden war. Der Film von Sebastian Heemann und Tilo Wagner führt an Orte, die heute für unbeschwerte Urlaubstage stehen, und rekonstruiert die Seilschaften ehemaliger Nationalsozialisten, die dort wirtschaftlichen und politischen Einfluss gewonnen und bis heute ihre Spuren hinterlassen haben.
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