Auswertung zur Ölförderung im Wattenmeer: Bohrinsel Mittelplate ist ökologisch riskant und wirtschaftlich unbedeutend
Berlin (ots)
- Deutsche Umwelthilfe analysiert geringe wirtschaftliche Bedeutung der Bohrinsel Mittelplate: Finanzieller Beitrag zum Landeshaushalt durch Ölförderung liegt bei nur 0,2 Prozent; Anzahl der zugerechneten Arbeitsplätze unhaltbar; Förderung deckt lediglich ein Prozent des deutschen Ölverbrauchs
- Ökologisches Risiko durch Plattform Mittelplate steht in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung
- DUH fordert die umgehende Nachholung einer Naturverträglichkeitsprüfung und sofortigen Stopp der Ölbohrungen im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer
Eine Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) kommt zu dem Schluss, dass die wirkliche wirtschaftliche Bedeutung der Ölförderung im Wattenmeer über die Bohrplattform Mittelplate vernachlässigenswert und das mit der Ölförderung im Weltnaturerbe Wattenmeer verbundene ökologische Risiko deswegen unvertretbar ist. Für die Ölförderung im Jahr 2025 musste der britische Betreiber Harbour Energy 45 Millionen Euro an das Land Schleswig-Holstein als sogenannte Förderabgabe zahlen. Gemessen an den Gesamteinnahmen im Haushalt des Landes Schleswig-Holstein von rund 21,9 Milliarden Euro entspricht das nur rund 0,2 Prozent. Die Auswertung basiert auf neuen Angaben von Harbour Energy im Gerichtsverfahren der DUH gegen den Hauptbetriebsplan der Mittelplate.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Wir haben nachgerechnet: Die vermeintlich große wirtschaftliche Bedeutung der Mittelplate erweist sich als verschwindend gering. Seit Jahren sinken die Förderabgaben und -mengen, der Beitrag zum Landeshaushalt ist mit 0,2 Prozent vernachlässigenswert. Es ist nicht zu rechtfertigen, dass der britische Ölkonzern Harbour Energy mitten im Nationalpark und europäischen Natura-2000-Schutzgebiet Wattenmeer weiter Öl fördert - ohne dass der laufende Förderbetrieb umfassend auf seine Naturverträglichkeit geprüft wurde. Wir fordern, dass diese Prüfung endlich nachgeholt und der Schutz des Wattenmeers über die wirtschaftlichen Interessen des Ölkonzerns gestellt wird."
Auch die vom Konzern immer wieder behauptete Bedeutung für Arbeitsplätze hält einer Prüfung nicht stand. Es werden Beschäftigte regionaler Unternehmen der Mittelplate zugerechnet, ohne zu belegen, dass deren Arbeitsplätze tatsächlich von der Ölförderung abhängen. Besonders deutlich wird das bei der Raffinerie Heide: Harbour Energy rechnet alle 490 Beschäftigten der Raffinerie als Beschäftigte der Mittelplate - obwohl die Raffinerie nur rund 11 Prozent ihres Rohöls von der Mittelplate erhält. Demgegenüber standen bereits 2021 rund 15.500 Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche in Schleswig-Holstein.
Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: "Bei den Arbeitsplätzen wird die Bedeutung der Mittelplate künstlich aufgebläht. Ganze Belegschaften werden dem Ölfeld zugerechnet, obwohl eine tatsächliche Abhängigkeit nicht belegt ist. Auch für die deutsche Ölversorgung ist die Mittelplate nicht relevant: Nur rund ein Prozent des deutschen Ölverbrauchs wird durch die jährlich sinkenden Fördermengen abgedeckt. Die Umweltrisiken der Mittelplate stehen in keinem Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung."
Nach Angaben des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie wurden 2025 von der Mittelplate rund 861.000 Tonnen Öl gefördert - etwa 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr.
Hintergrund:
Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate liegt mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und fördert dort Erdöl. Durch Bohr- und Förderbetrieb, Schiffsverkehr, Lärm und Licht belastet die Plattform das Schutzgebiet und bringt außerdem das Risiko einer Havarie und Ölpest mit sich. Betroffen sind unter anderem Seehunde, Kegelrobben, Schweinswale, Seegraswiesen sowie zahlreiche Rast- und Zugvögel. Das Gebiet ist seit 1998 als FFH-Gebiet und seit 2001 als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Als sogenanntes Natura 2000-Gebiet ist es Teil eines EU-weiten Netzes von Schutzgebieten, das der Erhaltung bedrohter Arten und Lebensräume dient. Eine umfassende FFH-Verträglichkeitsprüfung des seit 1987 laufenden Förderbetriebs wurde dennoch bislang nicht durchgeführt. Die DUH klagt deshalb gegen den aktuellen Hauptbetriebsplan.
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz
0160 4334014, zerger@duh.de
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030 2400867-20, presse@duh.de
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