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Polit-Kür im Schatten von Corona/Die Bewerber um den CDU-Vorsitz müssen ein schlüssiges Konzept gegen die Pandemie vorlegen - und zugleich die Richtung der größten Oppositionspartei neu justieren.

Regensburg (ots)

Kann eine Kandidatenkür völlig unbeeindruckt von der rasant um sich greifenden Pandemie funktionieren? Natürlich nicht. Die Auswahl des künftigen Vorsitzenden der - wahrscheinlich - größten Oppositionspartei erfolgt im Schatten von Corona. In einer Zeit, in der die meisten Menschen hierzulande ganz andere Sorgen haben, als die, ob Norbert Röttgen, Friedrich Merz, Helge Braun oder wer auch immer Chef der Christdemokraten werden soll. Vor diesem dramatischen Hintergrund sind Demut, Verantwortung, Empathie angesagt, nicht wildes Draufhauen auf den jeweiligen Konkurrenten und auf die sich formierende neue Ampel-Regierung.

Als erster der durchgehend männlichen Bewerber hat nun, wie erwartet, Norbert Röttgen seinen Hut in den Ring geworfen. Dass der Ex-Umweltminister bereits einmal klar gegen Merz und Laschet im Rennen um den Vorsitz gescheitert ist, stellt dabei kein Manko dar. Röttgen beweist damit Steher-Qualitäten. Zugleich bleibt er bei seinem Kurs der politischen Mitte. Der Nachfolger des unglücklichen Armin Laschet muss nämlich nicht nur das Konrad-Adenauer-Haus übernehmen, sondern auch den politischen Kurs der Partei neu justieren.

Mit dem geschmeidigen Röttgen würde am ehesten die pragmatische Politik der Langzeit-CDU-Vorsitzenden und Noch-Kanzlerin Angela Merkel fortgesetzt. Nur, ob dies auch eine Mehrheit in der von der Wahlniederlage gebeutelten Unionspartei will, ist offen. Wohl eher nicht.

Und so, als grüße das Murmeltier, dürfte auch Friedrich Merz, der einstige politische Dauerkonkurrent von Merkel, wieder ins Rennen gehen. Mit dem Sauerländer verbinden sich vor allem die Hoffnungen der Konservativen in der CDU. Der einstige Investment-Manager und Hobby-Pilot brennt seit nahezu zwei Jahrzehnten darauf, die bestimmende Rolle in der CDU zu übernehmen. Er will nun noch mal einen Senkrechtstart hinlegen. Die Schmach der Niederlage gegen die damals noch weithin unterschätzte Angela Merkel vor vielen Jahren hat Merz offenbar nie ganz überwunden. Ein Erfolg in der anstehenden Mitgliederbefragung wäre für Merz damit zugleich eine späte Genugtuung. Von ihm wird zudem erwartet, dass er mit einem klaren wirtschaftsfreundlichen und konservativen Kurs verprellte Wähler zurückholen und den Rechtspopulisten der AfD Terrain abnehmen könnte. Vor allem in der CDU im Osten und bei vielen Konservativen in der CSU gilt Merz als Hoffnungsträger. Allerdings wirkt der 66-Jährige ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Es dürfte ihm schwerfallen, neue junge Wählerschichten zu begeistern und das Klimaschutzthema zu besetzen.

Eher geringe Chancen werden dem Noch-Kanzleramtsminister Helge Braun eingeräumt. Der Mediziner aus Hessen wurde einer breiteren Öffentlichkeit erst im Verlaufe der Pandemie bekannt. Er geht mit dem Ballast in den Wettbewerb, dass er gewissermaßen als Fortsetzung Merkels gilt. Braun hat sich als ein solider Arbeiter und verlässlicher Verhandler einen guten Ruf erworben. Ein charismatischer Redner, der volle Säle mitreißen kann, ist er dagegen nicht.

Doch just in dieser Disziplin übt sich derzeit Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Der Mann aus Ostwestfalen, der vor drei Jahren den Merkel-Getreuen Volker Kauder von der Fraktionsspitze verdrängen konnte, hat bereits auf den Oppositions-Modus im Bundestag umgeschaltet. Er attackierte die Pläne der künftigen Ampel-Koalition zur Bändigung der Pandemie, vor allem der Aufhebung des Corona-Notstandes, pointiert und heftig. Man könnte meinen, dass Markus Söder am Rednerpult stehen würde. Das wichtigste Thema der CDU-Kandidatenkür dürfte notgedrungen sein: Wer legt das wirksamste Konzept gegen die Pandemie vor.

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