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Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV)

Versorgungsgerechtigkeit für Menschen mit Behinderung: Impuls setzen mit Zentren für Inklusive Medizin

Berlin (ots)

"Menschen mit intellektueller oder komplexer Beeinträchtigung haben ein bis zu 20 Prozent höheres Risiko, früher zu versterben. Der Grund sind Erkrankungen, die vermeidbar wären, wenn sie richtig diagnostiziert und behandelt würden.[1,2,3] Das ist eine massive Benachteiligung", betont Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV), anlässlich des dritten Global Disability Summit 2025 in Berlin.

"Um es an einem Beispiel konkret zu machen: Menschen mit der seltenen Erbkrankheit Tuberöse Sklerose[4] können neben einer intellektuellen Beeinträchtigung und einer Epilepsieerkrankung auch eine Nierenveränderung aufweisen. Das kann zu einer schmerzhaften und lebensbedrohlichen Blutung führen. Häufig ist die Patientin oder der Patient nicht in der Lage, Art und Ursache der Schmerzen deutlich zu formulieren. Wenn die behandelnde Ärztin oder der Arzt die Symptome dann nicht richtig interpretiert, wird der Notfall zu spät behandelt und die Patientin oder der Patient verstirbt", so Christoph Radbruch.

"Mit mehr zielgruppenspezifischem Wissen und Erfahrung könnte diese Gerechtigkeitslücke in der stationären Versorgung für Menschen mit Behinderung geschlossen werden. Doch dieses patient:innenspezifische Wissen wird noch zu wenig im Medizinstudium und der Facharztweiterbildung vermittelt", führt Radbruch aus. "Für die Behandlung vor Ort fehlen evidenzbasierte Behandlungsleitlinien."

Zentren für Inklusive Medizin als Innovationskern für eine inklusive Gesundheitsversorgung

Zentren für Inklusive Medizin sind Kompetenzzentren mit einer ausgewiesenen medizinischen und pflegerischen Expertise in der stationären Versorgung von Menschen mit intellektueller oder komplexer Beeinträchtigung. Ein solcher Leuchtturm der Versorgung ist beispielsweise das Evangelische Krankenhaus Bethel und Mara in Bielefeld.

Durch Aus-, Fort- und Weiterbildung werden die Zentren für Inklusive Medizin dafür sorgen, dass das Wissen zu den besonderen medizinischen Bedarfen von Menschen mit Behinderung beim Fachpersonal in der Regelversorgung eine größere Verbreitung findet. Durch Forschung und Wissenschaft werden evidenzbasierte Behandlungsleitlinien und Lehrmaterialien entstehen, auf die Ärztinnen und Ärzte in der Regelversorgung zurückgreifen können. Darüber hinaus werden sie durch Versorgungsforschung Erkenntnisse und Daten zu dem tatsächlichen medizinischen Versorgungsbedarf der Patient:innengruppe gewinnen. Zentren für Inklusive Medizin sind damit ein Innovationskern für die Versorgung von Menschen mit intellektueller oder komplexer Mehrfachbehinderung.

Zum Hintergrund:

DEKV-Konzeption zum Zentrum für Inklusive Medizin:

Zusammen mit Praxisvertreter:innen aus den evangelischen Krankenhäusern hat der DEKV eine Konzeption für Zentren für Inklusive Medizin entwickelt, die sich an der Zentrums-Regelung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nach § 136 c Abs. 5 SGB V orientiert. Sie legt Qualitätskriterien an die medizinische und die pflegerische Versorgung fest und beschreibt besondere Aufgaben, die von einem Zentrum übernommen werden können, wie zum Beispiel die Beratung von Krankenhäusern der Regelversorgung zur Versorgung entsprechender Patientinnen und Patienten.

Das Besondere im Vergleich zu den bestehenden G-BA-Zentren, beispielsweise den Herz- oder Krebszentren, ist, dass Zentren für Inklusive Medizin nicht auf die Behandlung einer einzelnen Erkrankungsgruppe ausgerichtet sind. Das Patient:innenkollektiv wird über eine Vielfalt von Beeinträchtigungen definiert. Die Aufgabe des Zentrums liegt in der Expertise zu behinderungsspezifischen Bedarfen bei der Versorgung einer Vielzahl von Erkrankungen aus unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen.

Zum DEKV-Konzept Zentrum Inklusive Medizin

Global Disability Summit (GDS25):

Beim dritten globalen Gipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen beraten rund 3.000 Delegierte aus aller Welt über Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die vor mehr als 15 Jahren von Deutschland ratifiziert wurde.

Deutschland, das Königreich Jordanien und die International Disability Alliance (IDA) richten den GDS25 gemeinsam aus. Veranstaltungsort ist in diesem Jahr erstmals Berlin. Der Global Disability Summit wurde im Jahr 2017 ins Leben gerufen und findet alle 3 Jahre statt.

Zum GDS

Quellen:

  1. Martin P. Medical treatment for people with intellectual impairment-a particular challenge for the health service. Dtsch Arztebl Int. 2019;116(48):807-808. doi: 10.3238/arztebl.2019.0807
  2. Trollor J, Srasuebkul P, Xu H, Howlett S. Cause of death and potentially avoidable deaths in Australian adults with intellectual disability using retrospective linked data. BMJ Open. 2017;7(2):e013489. doi: 10.1136/bmjopen-2016-013489
  3. Glover G, Williams R, Heslop P, Oyinlola J, Grey J. Mortality in people with intellectual disabilities in England. J Intellect Disabil Res. 2017;61(1):62-74. doi:10.1111/jir.12314
  4. "Die Tuberöse Sklerose ist eine seltene Erkrankung, die auch vererbt werden kann. Tuberös bedeutet "höckerig", "geschwulstartig" oder "knotenartig". Es kommt zu Fehlbildungen und meist gutartigen Tumoren im Gehirn sowie in anderen Organen und Hautveränderungen. Die Erkrankung führt zu krampfartigen (epileptischen) Anfällen, kognitiven Behinderungen sowie Entwicklungsstörungen. Meist wird die Diagnose aufgrund epileptischer Anfälle in den ersten Lebensmonaten gestellt." (https://ots.de/kIqtWL / abgerufen am 2. April 2025)

Pressekontakt:

Medizin & PR GmbH - Gesundheitskommunikation
Barbara Kluge | Eupener Straße 60, 50933 Köln
E-Mail: barbara.kluge@medizin-pr.de | Tel.: 0221 / 77543-0

Melanie Kanzler | Verbandsdirektorin
E-Mail: kanzler@dekv.de | Tel.: 030 200 514 19 0

Original-Content von: Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV), übermittelt durch news aktuell

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