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Hochschule Bremerhaven

„Das Wichtigste an unserer Arbeit sind immer die Studierenden!“

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Pressemitteilung der Hochschule Bremerhaven vom 31. März 2025

„Das Wichtigste an unserer Arbeit sind immer die Studierenden!“

Prof. Dr.-Ing. Dieter Lompe geht nach 26 Jahren an der Hochschule in den Ruhestand

Als Prof. Dr.-Ing. Dieter Lompe seine Tätigkeit an der Hochschule Bremerhaven aufnahm, hatte er nur ein ganz kleines, altes Labor, Forschung wurde eher als Hobby der Lehrenden gesehen und in den Räumen auf dem Campus durfte geraucht werden. Seitdem gab es viele Veränderungen, die er in seiner Funktion als Professor für Ver- und Entsorgungstechnik, als Studiendekan und Dekan im Fachbereich 1 mitgestaltet hat. Nun geht er zum Ende des Semesters in den wohlverdienten Ruhestand.

Das Gebiet der Umwelttechnologien war noch recht neu, als Prof. Lompe 1978 sein Abitur machte. Er studierte zunächst Maschinenbau in Braunschweig und wechselte dann nach dem Vordiplom an die TU Berlin in den Studiengang Energie- und Verfahrenstechnik. Dort promovierte er im Bereich der Umwelttechnik und arbeite im Anschluss mehrere Jahre in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen, zunächst in einem Ingenieurbüro für Abfall- und Deponietechnik, später im internationalen Anlagenbau.

Professur mit Aussicht auf ein neues Labor mit neuer Ausstattung

Bei der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung entdeckte Dieter Lompe die Stellenausschreibung der Hochschule Bremerhaven. Es bewarb sich auf die Professur im damaligen Studiengang Betriebs- und Versorgungstechnik – und hörte dann lange nichts. „Erst nach einer Ewigkeit bekam ich einen Anruf mit einer Einladung zum Gespräch. Ich war sehr überrascht, weil ich damit nicht mehr gerechnet hatte. In der freien Wirtschaft bedeutet das lange Warten ja eher, dass man eine Absage bekommt“, erinnert er sich. 1999 wurde er als Professor für Ver- und Entsorgungstechnik an die Hochschule Bremerhaven berufen und fand dort zwar zunächst nur einen alten kleinen Laborraum vor. „Das Land Bremen hatte kein Geld, um ein Labor für dieses Fach auszustatten. Zum Glück gab es aber dann mit Geld aus Berlin ein Investitionssonderprogramm im Land Bremen, wovon wir einen Teil dafür nutzen konnten. Meine erste Tätigkeit an der Hochschule war neben der Lehre daher die Laborplanung. Das machte die Stelle natürlich sehr attraktiv“, erinnert sich Prof. Lompe.

Kurze Zeit später übernahm der Professor eine weitere Aufgabe und wurde Mitglied der Studienkommission. „In meiner ersten Sitzung sagte man zu mir, ich könne gern direkt den Vorsitz übernehmen. Das habe ich dann auch getan. Es war wirklich sehr viel Arbeit, aber hat auch Spaß gemacht.“ Als Vorsitzender der Studienkommission und später im Dekanat war er maßgeblich an der Studiengangsplanung beteiligt. Dabei ging es nicht nur um die Entwicklung neuer Studiengänge, sondern auch um die Erneuerung bereits bestehender. „Das Verfahren war damals noch viel einfacher als heute. Da hat die senatorische Behörde direkt über die Genehmigung entschieden und Akkreditierungsagenturen gab es noch nicht. Es war trotzdem sehr viel Papierkram und man musste fast alles selbst machen.“

Als Dekan mitverantwortlich für Veränderungen im Fachbereich

Das Engagement von Dieter Lompe endete nicht in der Studienkommission. Stattdessen wurde er rund ein Jahr später zunächst Studiendekan und dann Dekan im Fachbereich 1. „Josef Stockemer war Dekan des Fachbereichs. Als er zum Rektor gewählt wurde, habe ich das Amt übernommen und etwa fünf oder sechs Jahre ausgeübt“, sagt er. In dieser Zeit hat er große strukturelle Veränderungen innerhalb des Fachbereichs angestoßen. „Früher haben alle Studiengänge sehr autonom agiert und auch ihre Lehrveranstaltungen nicht untereinander abgestimmt. Das hat dann beispielsweise dazu geführt, dass viele Räume leer standen. Das war natürlich nicht optimal. Deshalb haben wir das erste Stundenplanungsprogramm eingeführt, das bis heute vom Fachbereich 1 genutzt wird.“ Auch an der Entwicklung des Studiengangs Maritime Technologien, der heute als Vertiefungsrichtung im Studiengang Ingenieurwesen studierbar ist, hat Prof. Lompe maßgeblich mitgewirkt. Doch irgendwann war es für Dieter Lompe an der Zeit, den Posten als Dekan jemand anderem zu überlassen. „Die Arbeit im Dekanat macht Spaß, ist aber auch sehr viel Arbeit. Im Grunde genommen kommt man zu nichts anderem, hatte aber trotzdem den vollen Umfang an Lehrveranstaltungen zu leisten, da es keinen fachlichen Vertreter gab. Ich habe viele Überstunden gemacht, aber die fachliche Arbeit, bei der man sich auch weiterbildet, blieb liegen. Das wollte ich irgendwann nicht mehr.“

Ohne die zahlreichen Aufgaben, die im Dekanat anfielen, hatte Prof. Lompe auch wieder Zeit für die Wissenschaft. Er forschte in mehreren kleineren Projekten im Auftrag verschiedener Unternehmen. Forschung galt am Anfang noch nicht als eine wichtige Aufgabe einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. „Früher wurde das eher als Hobby der Lehrenden verstanden. Freistellungen oder andere Honorierungen gab es dafür nicht. Heute ist das zum Glück nicht mehr so. Inzwischen sind sogar Promotionen an HAW möglich“, so der Professor. Abgeschreckt hat ihn die Mehrarbeit nicht. Später reduzierte er für größere Drittmittelprojekte seine Lehrstunden und arbeitete gemeinsam mit der Industrie an nachhaltigen Innovationen für die Energie- und Umwelttechnik.

Von einer verqualmten "Schule" hin zur hochspezialisierten Bildungseinrichtung

In seinen 26 Dienstjahren hat sich einiges an der Hochschule verändert. „Der Lehrbetrieb hörte sich ein bisschen nach Schule an. Es wurde von Klassenräumen und Klassen gesprochen und es gab ein Lehrerzimmer. Und Gesundheitsschutz stand noch nicht auf der Agenda. Es durfte in der Hochschule geraucht werden, außer in den Laboren. In allen Fluren standen volle Aschenbecher und das Foyer von Haus K war manchmal voller Rauchschwaden. Darin konnte man kaum atmen“, erinnert sich der Professor. Damals hatte die Hochschule nur rund 1.300 Studierende. In den 2000ern setzte dann das Wachstum ein. „Nicht nur die Studierendenzahlen sind gestiegen, sondern auch die Qualität der Lehre hat sich deutlich verbessert. Es wurde immer mehr Wert auf einen fachlichen Fokus gelegt und auch die Studiengänge haben sich spezialisiert. Das führte zu einer größeren Spezialisierung in der Lehre und einer höheren fachlichen Qualität.“ Auch die Studierendenschaft sei heute anders. „Früher hatten wir sehr viele Studierende, die nach einer Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium begonnen haben. Diese hatten zwar zum Teil Defizite in der Theorie, weil ihnen zum Beispiel bestimmte Mathematikkenntnisse fehlten, aber sie waren zielstrebiger. Heute gibt es mehr Studierende, die nicht so genau wissen, was sie nach dem Abschluss beruflich machen wollen, und viele haben auch weniger Vorstellungen vom Studium selbst.“ Die Folge seien Studiengangswechsel und Abbrüche. Dennoch hat sich der Professor immer den positiven Blick auf die Studierenden bewahrt. „Das Wichtigste an unserer Arbeit sind immer die Studierenden! Statt auf die zu schauen, die weniger engagiert sind, freue ich mich über die Guten. Es macht großen Spaß mit ihnen zu arbeiten und ihre Entwicklung zu begleiten.“

Internationalisierung: Herausforderung mit Mehrwert

Mit den Jahren wurde die Hochschule auch immer internationaler – eine weitere Entwicklung, die Professor Lompe mit großer Begeisterung begleitet hat, u.a. als Koordinator für die langjährige Partnerschaft zur Universität Gdingen in Polen. „Wir hatten einen der ersten englischsprachigen Bachelorstudiengänge in Deutschland, der besonders im asiatischen Raum auf großes Interesse stieß.“ Auch heute noch ziehen vor allem die Masterstudiengänge Process Engineering and Energy Technology und Embedded Systems Design ausländische Studierende in die Seestadt. Dabei sei aber wichtig, diese richtig zu begleiten und zu unterstützen. So könne man auch Konflikte vermeiden, die aus Unwissenheit und kulturellen Unterschieden entstehen. „Wir haben über Jahre gelernt, mit den Besonderheiten anderer Kulturen umzugehen. Zum Beispiel arbeiten die Studierenden an manchen ausländischen Hochschulen in Laboren nicht selbst, sondern schauen den Lehrenden bei den Experimenten zu. Wenn sie dann nach dem Bachelor zu uns kommen, fehlen ihnen grundlegende Kenntnisse in Laborarbeit und Projektmanagement. Das ist bei Laborübungen ein großes Problem, weil wir eigentlich keine Zeit haben, ganz von vorne zu beginnen“, erklärt der Professor. Er würde sich wünschen, dass für diese Studierenden zusätzliche Laborstunden angeboten werden, damit sie sich an die anderen Anforderungen gewöhnen können.

Mit dem Wintersemester 2024/25 endet die Tätigkeit von Prof. Dr. Dieter Lompe an der Hochschule Bremerhaven. Auch wenn er dann selbst keine Veränderungen mehr anstoßen wird, wünscht er sich, dass die Hochschule sich auch zukünftig weiterentwickeln wird. „Es gibt noch viele weitere Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen. Die Hochschule sollte sich nicht zurückhalten und Entwicklungen aktiv mitgestalten statt nur darauf zu reagieren. Man muss einen langen Atem haben, um letztlich Erfolge zu haben.“

Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven seit 50 Jahren. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressekontakt:
Hochschule Bremerhaven
Nadine Metzler
An der Karlstadt 8
27568 Bremerhaven 
nmetzler@hs-bremerhaven.de 
presse@hs-bremerhaven.de
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